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Neue Studie: Wahrer Absturz der Netto-Energie aus Erdöl prognostiziert

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Neue Studie: Wahrer Absturz der Netto-Energie aus Erdöl prognostiziert
Geschrieben von: Florian Riebel
Montag, 22. Juni 2009 um 18:14 Uhr

Eine neue Studie stellt alle derzeitigen Nachrichten in den Schatten. David Murphy hat unter dem Titel The Net Hubbert Curve: What Does It Mean? den Einfluss steigenden Energieaufwands bei gleichzeitig abnehmender Erdölförderung untersucht.Das Ergebnis lässt selbst hartgesottene Zweifler der derzeitigen Industriezivilisation erzittern.

Der Hintergrund ist, dass es Erdöl braucht um nach Erdöl zu bohren. Zieht man die Menge des zur Förderung aufgebotenen Erdöls von der Menge des geförderten Öls ab, bekommt man die Netto-Energie, die der Gesellschaft anschließend für andere Zwecke zur Verfügung steht (den Quozienten aus Ertrag und Aufwand nennt man Erntefaktor, dieser gilt sinngemäß für alle Energiequellen). Im Jahre 1930 bekam man etwa 100 Fass Erdöl für jedes Fass, das man investierte, 1970 waren es nur noch dreißig und im Jahr 2000 gar nur noch 11 Fass. Dieser Trend wird sich so fortsetzen, gerade beim Ausbeuten von Tiefsee- und Polaröl, das gigantische Aufwendungen benötigt. Murphy extrapolierte also den beobachteten Trend aus totaler Erdölförderung und Netto-Energie und kam zu folgender Prognose:


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Gesamte und Netto-Energie aus Erdöl (Quelle: TOD)



Die hellblaue Fläche ist die Energie, die uns im Alltag zur Verfügung steht, nachdem das Erdöl gefördert, aufbereitet, transportiert und schließlich seinem Zwecke zugeführt wurde. Wie man sieht, erleben wir in diesen Tagen einen absoluten Hochpunkt der Bereitstehung von Energie aus Erdöl. Setzt sich der Trend des abnehmenden Erntefaktors jedoch in etwa so fort wie in der Studie angenommen, wird sich die aktuelle Situation in den nächsten Jahren drastisch ändern. In nur zwanzig Jahren wird uns demnach keine bis kaum noch Energie aus Erdöl zur Verfügung stehen, auch wenn die gesamte Förderung durchaus noch beträchtlich erscheint. Dieses Ergebnis ist weitreichender als man auf den ersten Blick erkennen möchte: 30-40 % unseres Primärenerigebedarfs beziehen wir hier in den sog. entwickelten Ländern aus Erdöl. Mit dem Verschwinden dieses Schlüsselrohstoffes zu Energiezwecken werden auch andere Energierohstoffe wie Kohle oder Uran nur noch in sehr begrenztem Maße zur Verfügung stehen. Die Förderung sämtlicher Metalle, schon heute nur noch aufwendig zu gewinnen, wird mehr oder weniger nicht mehr stattfinden. Und nicht zuletzt wird diese Entwicklung den Tod der industriellen Landwirtschaft bedeuten, die zehn Kalorien Energie aus Erdöl und Erdgas benötigt um eine Kalorie in Form von Nahrung im Supermarkt anzubieten. Tritt diese Entwicklung auch nur annähernd so ein wie von Murphy prognostiziert, so wird die Welt in zwanzig Jahren nicht mehr wiederzuerkennen sein. Zwanzig Jahre, das ist vom Mauerfall bis heute. In zwanzig Jahren kann niemand, auch nicht der ehrgeizigste Politiker eine Gesellschaft total vom Erdöl befreien.



Diese Grafik ist die pessimistischste und gleichzeitig einleuchtendste Einschätzung der zukünftigen Energiemenge aus Erdöl, die bislang veröffentlicht wurde. Pessimistisch, weil der schiere Zeitraum bis zum bitteren Ende von allem, was uns heute lieb und teuer ist auf magerste zwanzig Jahre zusammenschrumpft. Einleuchtend, da sie auf reinen mathematischen Formeln und Beobachtungen beruht. In der Tat ist ihr einziger Makel, dass der unterstellte Trend des zukünftigen Nettoenergieverlaufs auf nur drei Datenpunkten beruht. Dies bedeutet aber lediglich, dass die Genauigkeit der Kurve noch verbessert werden kann, an der Tatsache, dass unabhängig von der Erdölförderkurve nach Hubbert sehr viel weniger Energie schlussendlich die Gesellschaft erreicht, ändert dies nichts. Hinzu kommt, dass andere negative Einflüsse wie Rückkopplungseffekte aus Konflikten um verbleibendes Öl nicht berücksichtigt wurden. Es ist also je nach geschichtlichem Verlauf gut möglich, dass sich die Gesamtfördermenge und somit auch die bereitstehende Energiemenge im Vergleich zu obiger Studie nochmals verringern.



Was ist nun mit Alternativen, die den Mangel an Erdöl wettmachen können? Zu diesem Thema gibt es eine interessante Studie von Paul Chefurka. Er hat den bisherigen Trend alternativer Energiequellen fortgeführt und angenommen, dass dieser bis etwa 2070 vorhält, bis die letzten Reste industrieller Güterherstellung aufgehört haben zu funktionieren.


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Prognose zukünftiger Energiequellen durch Fortschreibung aktueller Trends (Quelle: Paul Chefurka)



Die Grafik zeigt, dass selbst unter dieser optimistischen Annahme Alternativen eine eher geringe Rolle spielen im Vergleich zu den Energiemengen, die wir heute verbrauchen, aber wie wahrscheinlich ist dieser angenommene Verlauf im Lichte der aktuellen Studie über die Netto-Energie aus Erdöl? Moderne alternative Energiequellen zur Elektrizitätsgewinnung sind reine Erdölderivate, sie verschwinden mit dem Erdöl. Wenn uns in zwanzig Jahren schon kaum noch Erdöl als Energiequelle zur Verfügung steht, wie wahrscheinlich ist es dann, dass man anschließend noch fünfzig Jahre lang industrielle Güter herstellt, noch dazu auf hohem technischen Niveau und unter schwierigen Bedingungen (ich denke da beispielsweise an ablandige Windenergie). Wie sinnvoll ist es bei diesen Erkenntnissen, die Karte moderner Energiequellen zur Stromerzeugung als einziges Ass im Ärmel zu bewahren und alle anderen Optionen wie Landreformen und massive landwirtschaftliche Ausbildung des explodierenden Arbeitslosenheers nicht nur zu vernachlässigen, sondern es komplett zu ignorieren? Wie wahrscheinlich ist noch zukünftiges Wachstum industrieller Güter wenn uns bis in zwanzig Jahren die Schlüsselenergie zur Herstellung und zur Nutzung dieser Güter quasi abhanden gekommen ist?



Wenn man politisch auf diese Studie antworten wollte, dann wäre eine radikale Änderung der gesellschaftlichen Ziele hin zu mehr Landwirtschaft in Handarbeit durchaus angemessen. Leider scheinen sich solche Erkenntnisse bei der Politik nicht durchzusetzen, die letzte Woche erst ein gigantisches Projekt zur Überquerung des Fehmarn-Belt beschlossen hat, oder den Start neuer Satelliten zur Erkundung des Mondes...
Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 23. Juni 2009 um 04:59 Uhr

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