Transition Austria

Machbare Schritte und profunde Innovationen für eine zukunftsfähige Lebensweise

liebe freunde,

dies ist der zweite teil unserer serie "Debatta um den Weg zum Sozialismus". der erste entstand in einer diskussion im forum von www.aporrea.org in spanisch und braucht natuerlich die spanischen beitraege. es geht dabei um einen text zu "Kuba und der Kommunismus".

dieser beitrag wird ein eigenstaendiges thema und wird auch auf allen spanischsprachigen portalen verbreitet. so koennt ihr sehen, wie hier die debatten gefuehrt werden. es ist eine phantastische situation des experimentierens und forschens, wie ich sie im deutschsprachigen raum nicht gefunden habe.

die zeichen stehen auf sturm oder wie Rafael Correa aus Ecuador es nannte: "Wir erleben nicht eine Epoche des Wandels, sondern einen Wandel der Epoche." praeziser laesst es sich nicht formulieren.

mit lieben gruessen, willi (uebelherr),

merida/venezuela


wir brauchen keine fuehrer!

Debatte um die Prinzipien des Sozialismus (2)

liebe freunde,

dies ist ein beitrag zur diskussion im Foro de Aporrea. wegen seiner allgemeinheit verselbstaendige ich diesen text. er dient dazu, wesentliche prinzipien in unserer politischen und philosophischen orientierung deutlich zu machen.

eine sozialistische gesellschaft ist nicht per dekret zu realisieren. sie ruht auf der allgemeinen anerkennung der grundprinzipien eines gemeinschaftswesen, das auf kooperation und solidaritaet ruht. die rationale grundlage hierfuer ist das verstaendnis unserer existenzbedingungen. die emotionale grundlage sind unsere erfahrungen seit der fruehesten kindheit.

im kommunistischen manifest von Karl Marx und Friedrich Engels lesen wir einen zentralen satz. "die freie Assoziation freier Mitglieder". das bedeutet, dass nur aus der freien entschaeidung fuer ein bestimmtes gemeinwesen die grundlagen fuer ein kooperatives zusammenwirken entstehen kann. aber es heisst auch, dass nur unabhaengige individuen diese entscheidung treffen koennen, weil der raum zur freien handlung und entscheidung die unabhaengigkeit vorraussetzt. existiert sie nicht, so koennen nur sklavische unterwerfungen daraus folgen.

sozialistische gesellschaften stellen die menschen und ihre lebensbeduerfnisse in den mittelpunkt. alle strukturen und gesellschaftliche instanzen sind diesem zweck unterworfen. sie haben keinen eigenzweck. sie sind, wenn die notwendigkeit zur bildung ihrer bestht, instrumente der sich frei organisierenden menschen zur loesung gesellschaftlicher aufgaben. und auch in ihrer existenzberechtigung sind sie ausschliesslich dem artikulierten und formulierten bedarf der lokalen gemeinschaften unterworfen.

die geschichte der sozialistischen bewegung zeigt uns etwas ganz anderes. dort wurden aufgesetzte konzeptionen zum absoluten selbstzweck erhoben. die zulaessigen handlungsraeume aus der rezitation inszenierter theoretischer fuehrer abgeleitet. die notwendigen entscheidungsprozesse nicht aus der analyse der konkreten situationen hergeleitet, sondern der wirklichkeit ein formalisiertes modell uebergestuelpt.

das hatte nicht nur mit unverstaendnis zu tun, sondern haeufig mit der erhaltung und etablierung parasitaerer staatsstrukturen, die dann zum eigenzweck mutierten. die folge waren notwendige widersprueche, die meist mit gewalt geloest oder unter den tisch gefegr wurden. typisch hierfuer war der konflikt zwischen rosa luzemburg und Wladimir Iljitsch Uljanow(Lenin). Rosa Luxemburg stand fuer die unbedingte anerkennung der lokalen, besonderen bedingungen und fuer die entfaltung des existierenden potentials fuer eine solidarische gemeinschaft. Lenin stand fuer den apparat, der notwendig ein eigenes interesse hat und durchaus der bevoelkerung zwingend gegenueberstehen kann, um ein abstrakt konstruiertes allgemeininteresse durchzusetzen.

wir koennen diesen konflikt in allen schattierungen in allen zeiten wiederfinden. leo Trotzky steht fuer eine person, die sich weder dem einen noch dem anderen entschieden zuordnen konnte und wollte. in seiner schrift "die permanente Revolution" hat er dies systematisch zum ausdruck gebracht. damit war er ein entschiedener angriffspunkt fuer alle, die dem apparat vertrauten bzw. ihn auch fuer ihr eigenes dasein wollten.

die buergerliche gesellschaft hat auch ihre kluefte und verzerrungen. aber sie hat bei aller unterschiedlichkeit der auslegung das zentrale dogma der individuellen reichstumsbildung, das immer notwendig auf dem raub an der allgemeinheit beruht. sie ist elitaerer gruppenbildung verpflichtet und bei allen formen theatralischer inszenierungen wird dieser grundsatz mit aller gewalt erhalten.

ein gutes beispiel ist die entwicklung in den beiden teilen von Deutschland nach dem 2. weltkrieg. 1953 wurde die kommunistische partei in westdeutschland verboten. zur gleichen zeit begann in ostdeutschland der prozess gegen Wolfgang Harich. er war mitglied der gruppe der "utopischen sozialisten" um Georg Lukacs. zentrales ziel dieser gruppe war die arbeiterselbstverwaltung(Control Obrera), ruhend auf der arbeit von Leo Trotzky und Mijail Bakunin. mit diesem ziel, die sich dann auch in den raeten in den kommunen ausdrueckten, wurde diese gruppe zum gleichen hauptfeind fuer die kapitalisierung wie in westdeutschland.

in ganz deutschland war in dieser zeit eine klare mehrheit fuer die aufloesung privater aneignung an gesellschaftlichen ressourcen wie grundbesitz, produktionsmitteln, transportsystemen, grundversorgung mit wasser und elektrischer energie und wissen. hier koennen wir sehen, dass die triebkraefte zur herausbildung staatlicher gewalt- und entmuendigungsinstanzen nur wenig mit den ideologischen phrasen zu tun haben, sondern immer den materiellen interessen gehorchen.

1956 war diese auseinandersetzung im sozialistischen ostdeutschland(DDR) mit dem prozess gegen Walter Janka und dem Aufbruchverlag zu gunsten einer mafiosen, am buerokratischen staaatskapotalismus interessierter gruppe entschieden. damit war das sozialistische projekt Deutsche Demokratische Republik(DDR) beendet.

in westdeutschland sind aehnliche verlaeufe erkennbar mit dem ziel, die arbeiterbewegung und lokale selbstverwaltung aufzuloesen oder, wenn nicht moeglich, zu neutralisieren. hier waren aber wesentlich die verwaltungsinstanzen der USA und Grossbritanien ursaechlich beteiligt. sie scheuten auch nicht davor zurueck, die alten faschisten in die staatlichen instanzen zurueck zu fuehren. das gleiche galt natuerlich fuer das geldsystem. 1953 wurde auch die wiederbewaffnung, also die armee, wieder installiert. das hatte aber nur wenig mit dem sich entfaltenden Ost- Wetkonflikt zu tun, der in wirklichkeit nur auf der ebene von propaganda und angstschuerung wirkte, sondern war primaer nach innen gerichtet. das gleiche auf der oestlichen seite von europa. auch dort waren die staatlichen gewaltsysteme primaer nach innen gerichtet.

wir koennen aus unserer eigenen erfahrung und der betrachtung historischer verlaeufe in europa und in allen teilen unseres planeten ein wesentliches substrat extrahieren. weltweit existieren 2 grundbewegungen:

1) die elitaere strukturierung auf der basis des privateigentums an gesellschaftlichen ressourcen und der geldsysteme zur durchsetzung der indirekten sklaverei. wesentliches mittel hierfuer sind staatssysteme, die den einzelnen gegenueber ein abstrakt konstruiertes allgemeininteresse formulieren und durchsetzen.

2) die kommunale strukturierung, die auf hoher eigenverantwortung und selbstverwaltung sich gruendet. sie ruht auf unserer geschichte und wurde und wird in allen teilen des planeten angewandt. sie setzt auf der freien netzwerkbildung selbstaendiger lokaler gemeinschaften auf. daher benoetigt sie auch keine staatssysteme und anderer arten der schaffung von dominanzraeumen.

wir finden die zweite stroemung im term "Sozialismus des 21. Jahrhunderts". auch wenn dieser term etwas merkwuerdig klingt und nur wenig mit den realen bedingungen zu tun hat, so umfasst er in seinen definitionsgrundlagen die kriterien einer auf lokal selbstaendigen und weitestgehend autonomen gemeinschaften ruhender gesellschaftlichen verfasstheit, die sich notwendig in netzwerken organisiert. eben so, wie es die menschen in unserer frueheren zeit immer taten.

auf diesem weg der verallgemeinerung der kooperation und solidaritaet verschwinden alle konflikte, die auf der konkurrenz um individuelle privilegien und vorteile ruhen. sowohl im lokalen wie im globalen. damit knuepfen wir wieder an den kulturen an, die letztlich die hauptleistung in der entwicklung der menschlichen spezie erbracht haben.

inzwischen verfuegen wir allerdings ueber ein ganz entscheidendes instrument, das unsere verbindungen orts- und zeitunabhaengig ermoglicht. das internet. das medium zur indirekten kommunikation ueber alle distanzen und trennungen. das internet wird zum "Totengraeber des Kapitalismus", wie wir es schon im kommunistischen manifest lesen koennen, auch wenn es dort nur um die produktivkraefte allgemein ging. damit offnet sich der raum fuer einen wesentlichen grundsatz: "global denken, lokal handeln". es realisiert das prinzop der internationalen kooperation und solidaritaet.

mit dem freien zugang zum wissen der menschheit, dem welterbe der menschlichen entwicklung, und dem freien austausch unserer ideen und konzeptionen setzen wir uns in die lage, an jedem ort auf dem planeten die anforderungen fuer das gute leben fuer alle, das "Buen Vivir", ohne individuelle vorteile und privilegien, zu realisieren. bei minimierung des notwendigen aufwands, basierend auf der natur, "der Mutter Erde", als bewusster teil von ihr, ruhend auf ihr als unserer einzigen existenzgrundlage.

Rafael Correa aus Ecuador hat einen phantastischen satz gepraegt: “Wir erleben nicht eine Epoche des Wandels, sondern einen Wandel der Epochen.“ 8-10000 jahre reicht die zeit elitaerer strukturierung menschlicher gemeinschaften zurueck. fast 2000 jahre tiefster dunkelheit in europa durch die totale blockierung der entwicklung durch das christentum. das bett des faschismus. 500 jahre zerstoerung in lateinamerika, afrika und asien. raub, mord, vertreibung ueberall, wo wir hin sehen. im zentrum immer die christlichen apologeten der gewaltherrschaft, um die sozialen gemeinschaften zu atomisieren und der kapitalverwertung zu unterwerfen.

damit machen wir schluss. wir entwickeln eine neue welt auf den alten prinzipien der gleichwertigkeit und der daraus folgenden gleichberechtigung. unsere beziehungen ruhen auf kooperation, solidaritaet und gegenseitigem respekt. so kommt der kernsatz der echten juedischen kultur wieder zur geltung: "tue deinem naechsten nicht an, was dir selbst verhasst ist". dies ist unsere grundlage im miteinander.

aus meiner erfahrung ist das zur zeit nur in lateinamerika moeglich. nur dort existiert die offenheit und freiheit im denken, im suchen der wahrheit, im experimentieren und forschen ueber die moeglichkeiten, wie wir uns unseren zielen und visionen naehern koennen. wir tun es immer als gemeinschaft, als vielfalt vom gleichen. wir brauchen keine fuehrer!

willi uebelherr, merida/venezuela, 01.09.2012, wune@gmx.net

REDES Comunales Merida
www.redescomunalesmerida.wordpress.com
redescomunalesmerida@gmail.com

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wir brauchen gemeinsame innere Führung Vögel kennen das uns fehlt das wir werden durch äußere Symbole geführt. Von der Werbetafel über das Verkehrschild zum Geldschein bis zur Sommerzeit alles unsere Führer die uns knechten. 

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