Transition Austria

Machbare Schritte und profunde Innovationen für eine zukunftsfähige Lebensweise

Kritik imperiale Lebensweise - Superlinke

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Kritik imperiale Lebensweise - Superlinke

Der Kapitalismus beruht auf imperialistischer Ausbeutung von Mensch und Natur, die von den Arbeiter_innen im Norden mitgetragen wird. Diese "imperiale Lebensweise" verhindert einen zukunftswürdige Lebensweise.

Website: http://superlinke.blog.at/
Art: Thematische Netzwerke
Mitglieder: 16
Neueste Aktivitäten: 27. Mai 2013

Zielrichtung

Kritik von Kapital, Markt und Staat ist notwendig für profunde Innovation. Diese Kritik muss vor allem auf die imperiale Lebensweise zielen, die Arbeitsplätze und "grünes" Kapitalwachstum einfordert - auf dem Rücken von Hungernden, Verelendeten und Ausgeschlossenen im globalen Süden. Die Zersetzung der imperialen Lebensweise ist notwendig, damit machbare Schritte auch gemacht werden: für eine zukunftswürdige Lebensweise, in der viele Welten Platz haben.

Diskussionsforum

Wie kann diese Gruppe in Transition passen? 4 Antworten

Andreas Exner hat mich eingeladen, Mitglied in dieser Gruppe zu werden und ich habe zunächst ein wenig mit dem Problem gekämpft, dass der Rahmen von Transition hier leicht gesprengt werden…Fortfahren

Gestartet von Franz Nahrada. Letzte Antwort von Brigitte Kratzwald 14. Sep 2010.

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Kommentar

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Kommentar von Daniel Baumgartner am 5. März 2013 um 11:28am

Finde die Debatte hier interessant! Bin gerade durch mit einer hervorragenden Lektüre zum Thema:

http://endgamethebook.org/

Kommentar von Franziskus Forster am 8. Oktober 2010 um 10:02pm
hier ein sicherlich interessanter beitrag aus der vorbereitung des postwachstumskongresses nächstes jahr in deutschland: http://www.postwachstum.net/ - siehe die thesen von alexis passadakis und matthias schmelzer: Postwachstum – 12 Fluchtlinien einer solidarischen Ökonomie jenseits des Wachstums
Kommentar von Franziskus Forster am 20. September 2010 um 12:09am
hallo,
möchte auf zwei weitere beiträge verweisen, die möglicherweise in diesen fragen auch weiterbringen:
zum einen ein aufsatz von massimo de angelis - de angelis - the production of the commons and the explosion of the... und zum anderen ein beitrag von markus wissen im aktuellen kurswechsel: klimawandel, geopolitik und "imperiale lebensweise" (hab ich leider nicht digital - ).

ich denke, dass in beiden beiträgen zentrale dimensionen diskutiert werden, die sich nicht einfach ignorieren lassen, dilemmata und die suche nach anknüpfungspunkten gewissermaßen, in denen sich eine "transition" befindet. ich denke, dass sich das nicht notwendigerweise gegen transition-initiativen richtet, ganz im gegenteil: ich glaube, dass über diese perspektiven ein sehr produktiver beitrag geleistet werden kann.
Kommentar von Andreas Exner am 16. September 2010 um 10:01pm
hallo allseits

franz nahrada hat hier auf transitionus.ning.com auf eine interessante debatte zwischen ted trainer und rob hopkins hingewiesen, die auch die debatte hier (verhältnis "kritik imperiale lebensweise" - "transition austria") berührt.

ich muss mir die debatte trainer-hopkins erst näher anschauen, wär vermutlich interessant, wenn auch jemand von euch reinschaut

lg, andreas
Kommentar von Andreas Exner am 14. September 2010 um 1:28pm
Ja, das ist richtig und eine interessante Beobachtung. Ich würde die Gruppe hier auf die imperiale Lebensweise als zentraler Angelpunkt lokaler "machbarer Schritte" fokussieren. Im Kontext der Superlinken kann / soll man m.E. den Fokus auf "Biomacht" allgemein erweitern.
Kommentar von Markus Schallhas am 14. September 2010 um 10:47am
Finde auch, dass der Begriff "Lebensweise" diese Erweiterung gut ausdrückt. Im Hinblick auf die politische Umsetzung stoßen wir aber auf das massive Problem, dass die verschiedenen Politikfeld bislang weitgehend getrennt sind. Zumindest auf Seiten der sozialen Bewegungen. Auf Seiten diverser großer Akteure, wie Konzerne, ist Biopolitik freilich längst schon viel integrierter. Nicht umsonst nennen sich einige zB "Life Science" Unternehmen.
Kommentar von Andreas Exner am 14. September 2010 um 10:27am
...ich denke, Deine vorgeschlagene Weiterung ist eine gute Idee. "Ökologie" steckt nicht zufällig nicht im vorgeschlagenen Haupttitel. "Imperiale Lebensweise" würde allerdings schon den Fokus auf die Verbindung aus Lebensstil und Produktionsweise legen.

Dass die meisten Menschen von dieser Produktionsweise ihren Nutzen haben, ist denke ich ein wesentliches Moment einer Erklärung dafür, warum sie sich nicht grundlegend geändert hat trotz vieler Jahrzehnte Widerstand. Und es kann z.B. auch erklären, warum die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko erstaunlich wenig Widerstand hervorgerufen hat. Die Leute hätten gegen sich selber demonstrieren müssen...
Kommentar von Markus Schallhas am 14. September 2010 um 10:15am
Nicht nur "Öko-Komitee".

Lasst uns, wenn es da Einverständnis gibt, die Gruppe nicht nur als Ökologie und Agrargruppe verstehen. Biopolitik und Biomacht umfassen wesentlich mehr. Etwa Gesundheit, Wohnen (Stadt/Land), Sexualität und einiges mehr. Sehr zu empfehlen dazu übrigens das Buch von Foltin, "Die Körper der Multitude".

Zum Mitmachen der Arbeiter_Innen

Bzgl. des Mitmachens von Arbeiter_innen im globalen Norden: das beruht meiner Meinung weniger auf Einverständnis und weiter mitprofitieren wollen, als darauf, dass die Alternativen nicht klar genug sind und erst mühsam erkämpft werden müssten. Bei einer greifbaren und anschaulichen Wahlmöglichkeit würden sich die meisten wahrscheinlich sogar für ein "besseres", nämlich gutes Leben entscheiden. Der Preis für den jetztigen Lebenswandel ist auch persönlich hoch. Aber wer will sich das schon eingestehen, wenn andere Möglichkeiten als sehr unwahrscheinlich erscheinen. Klar werden dann die diversen Kompensationen bevorzugt. Kann ich aus eigener Erfahrung sagen.
Kommentar von Andreas Exner am 13. September 2010 um 8:43pm
Hier ein einführender Text von Ulrich Brand zur imperialen Lebensweise:

Zitat aus "'Umwelt' in der neoliberal-imperialen Politik. Sozial-ökologische Perspektiven demokratischer Gesellschaftspolitik", Widerspruch (Zürich) 54, 2008, 139-148:

"Das Problem der imperialen Lebensweise

Mein Argument lautet zusammengefasst: Die imperiale Lebensweise basiert darauf, dass die Ressourcenflüsse in die kapitalistischen Metropolen gesichert bleiben und damit das hiesige und tendenziell globalisierte Produktions- und Konsumtionsmodell aufrechterhalten wird. Sie ist mit ihren enormen ökologischen Fußabdrücken und sozialen Verwerfungen tief in den alltäglichen Praxen, in staatlichen Politiken und in den Unternehmen verankert. Der Verkauf von Special Utility Vehicles hat enorme Wachstumsraten, der Konsum von kurzlebigen, aber relativ billigen Elektrogeräten, die bald verschrottet werden, nimmt zu.

Die imperiale Lebensweise basiert auf Machttechniken der Staaten sowie internationaler politischer Institutionen wie die Weltbank oder der Internationale Währungsfonds. Sie haben den 1980er Jahren mit ihren Politiken der „Strukturanpassung“ die verschuldeten peripheren Gesellschaften zu neoliberalen Politiken getrieben. Das bedeutet für viele Länder, dass sie sich über den Export von Agrargütern und Rohstoffen in den Weltmarkt integrieren. Teilweise unter erheblichen sozialen und ökologischen Kosten.

Und die imperiale Lebensweise gründet auf den Produktions- und Verkaufsstrategien der Unternehmen. Unternehmen haben Marktmacht und können derart die ökologischen Folgekosten ihrer Produktion externalisieren. Der oligarchische Lebensstil ist vor allem einer, der die konkreten Bedingungen der globalisierten Warenproduktion opak lässt. Das ist nichts Neues, aber es erhält eine neue Dimension.

Machen wir uns aber nichts vor. Die Bedingungen für einen tief greifenden sozial-ökologischen Wandel sind auch deshalb nicht sehr gut, weil viele Menschen an den gegenwärtigen un-nachhaltigen Verhältnissen teilhaben wollen: Autos, Reisen, billige Konsumgüter made in China. In der umwelt- und ressourcenpolitischen Diskussion gibt es kein einfaches Oben und Unten. Gerade die Menschen in den wohlhabenden Ländern sind ja
auf durchaus vorteilhafte Weise in die globale Umwelt- und Ressourcenordnung eingebunden.

Alternativen?

Eine 'anti-imperiale Lebensweise' muss diese tiefen Verankerungen aufbrechen. Die Produktions- und Konsumnormen werden machtvoll von Unternehmen gesetzt, entsprechen aber vielfach auch den historisch entstandenen Bedürfnissen großer Teile der Bevölkerung.

Dies kann nicht einfach durch staatliche Politik auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene geändert werden, etwa mit Hilfe neuer Regeln für Unternehmen und KonsumentInnen. So wichtig das ist, so sehr müssen sich darüber hinaus grundlegende kulturelle Umorientierungen ('was bedeutet Wohlstand?') vollziehen. Die Aufgabe besteht darin, attraktive, postmaterialistische Vorstellungen eines „guten Lebens“ und entsprechende 'öko-soziale Subjektivitäten' zu schaffen, das eben nicht zuvorderst aus dem Glück des Konsums besteht"
Kommentar von Andreas Exner am 13. September 2010 um 8:39pm
Die Superlinke ist selbstironisch. Ernst ist es ihr freilich damit, Staat, Kapital und Markt zu überwinden - für eine zukunftswürdige Lebensweise.

Der steht wesentlich die imperiale Lebensweise der Massen im globalen Norden und einer (anwachsenden) Minderheit im globalen Süden entgegen: billiges Erdöl, billige Lebensmittel, billige Metalle, billiges Land, billige Biofuels. Und das alles für einen Lebensstil, der mit Wohlsein nichts zu tun hat. Dafür alles mit Kapitalverwertung, Lohnarbeit, Patriarchat und Freudlosigkeit - mit einem Wort: Herrschaft.

Die "imperiale Lebensweise" ist der stille Konsens der Beherrschten mit den Herrschern. Während die Arbeiter_innen nicht "jede Krot schlucken" wollen (O-Ton Arbeiterkammer), finden sie es ganz erträglich, dass 1 Milliarde Menschen an Hunger leiden. Der Kapitalismus ist zwar scheußlich, aber er gibt uns schöne Arbeitsplätze - in der Autoindustrie, der Werbung, dem Verkauf, dem Straßen- und Kraftwerksbau, den neuen "Effizienzmaßnahmen", dem arbeitsmarktgerechten Bildungssystem kurz: mit allem, was dem Gott "Kapitalwachstum" dient.

Herrschaft ist mehr als bloße Gewalt, sie ist vor allem Mitmachen, Dulden, Nutznießung vom Elend derer, denen es noch schlechter geht. Das ist der Kern der imperialen Lebensweise und der Grund, warum machbare Schritte nicht gemacht werden und Innovationen nicht profund sind.

Statt einer Kritik der Konzerne und einer vermeintlichen "Gier der Finanzmärkte und der Banken" gilt es, die imperiale Lebensweise anzugreifen. Es ist nicht zu dulden, dass statt des guten Lebens für alle, das machbar ist, Arbeitsplätze und "grünes Wachstum" gefordert werden. Es ist nicht auszuhalten, dass statt des guten Lebens für alle, das machbar ist, Harmonie und Win-Win-Situationen eingefordert werden. Es ist unerträglich, dass statt des guten Lebens für alle, das machbar ist, Dummheit und Selbstbetrug regieren.

Kritik der imperialen Lebensweise ist wie jede Kritik Zerstörung. Und wie jede Zerstörung, die der Befreiung dient, baut auf ihr eine Alternative, in der viele Alternativen möglich sind: eine zukunftswürdige Lebensweise.
 

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