Transition Austria

Machbare Schritte und profunde Innovationen für eine zukunftsfähige Lebensweise

Interview über OpenLandLAB Feb 2014

Interview über OpenLandLAB  Feb 2014


Bitte erzähl kurz über Dich, wer bist Du, woher kommst Du, was machst Du, wohin gehst Du ?

Mein Name ist Leopold Zyka vka qubit1729. Ich stamme aus einer Zeit, in der wir uns in Wiener Kaffeehäusern getroffen haben und über unsere Computer, die wir selbst gebaut haben diskutiert haben. Damals haben wir jedes Bit noch persönlich gekannt. Alles war teuer, nahezu un erschwinglich und die Teile nur mühsam beschaffbar. Unsere selbstgebauten Computer waren - ganz ohne Bescheidenheit - besser als der erste Heimcom puter, der auf den Markt kam. Leider saßen wir aber nicht in Amerika in irgend einer Garage sondern im technologiefeindlichen Wien. Großcomputer begleiteten meine Jugend. Hardware und Software - entwicklungen für Mikroelektronik wurden zum Ernst des Lebens. Als Selbstständiger erlebte ich den Höhenflug des Internethypes bis zum Zusammenbruch. Es war längere Zeit für mich schwierig ein geordnetes Jobverhältnis zu finden. Seit dem Crash des Internetbooms 2000 leite ich in einer Firma eine Softwareentwicklergrup pe für Internetapplikationen mit solider Projektplanung. Mit fortschreitendem Alter interessieren mich neben dem Business vorwiegend Projekte, die nicht alleine durch kommerzielle Sachzwänge bestimmt sind. Die Kunst und der Zwischenbereich zwischen Wissens chaft und Kunst bieten teilweise noch interessante Freiräume. Die ARS - Electronica gehört zu meiner jährlichen Pilgerfahrt. Ich suche immer mehr nach Auseinandersetzungen wo es um wirklich Neues geht. Alles ist open - auch das quo vadis.


Wenn ich Dich richtig verstehe:

Du hast im Burgenland ein Grundstück gekauft mit altem Haus, Wohnwagen, Wasser, Abwasser und Strom aber ohne Gas und jetzt möchtest Du einen Hackerspace dort einrichten ? Wie kommt man auf so eine Idee, was sind die Vorbilder und (als gele rnter Österreicher) ... derfn's denn dös ?

Mein ursprünglicher Lebensplan war ganz banal: in Wien ein Grundstück zu kaufen und ein Passivhaus oder Plusenergiehaus für die Familie zu bauen. Da ich jedoch keine Lust habe, mich den Rest meines Lebens irgendw elchen Banken auszuliefern, habe ich das bleiben gelassen. Es ergab sich 2013 zufällig, dass ein Freund der in finanzielle Not geriet ein kürzlich gekauftes Grundstück im Südburgenland wieder verkaufen musste. Die Situation dort sieht so aus, dass viele g erne dort weiter leben, jedoch aus Jobgründen (häufig nach Wien) pendeln. Der Mainstream hat mich nie interessiert. Wenn alle in die Städte drängen ist es an der Zeit darüber nachzudenken, wie man antizyklisch den Raum am Rand nutzen könnte. Ich finde es a bsurd, wenn Künstler sich um teure Lofts in New York prügeln, um dort angeblich Kunst zu produzieren . Das Kalkül dabei ist, dass sich die Kunstwerke so besser vermarkten lassen. Ich bin seit 20 Jahren Mitglied bei dem Verein GIVE http://www.give.at , der sich mit der Zukunft des ländlichen Raums beschäftigt und auf neuen Technologien auch neue Formen der Dörflichkeit aufbauen möchte. Es liegt mir auch etwas an einem Beitrag zur dritten industriellen Revolu tion. Das bedeutet für mich dezentrale Produktion und dezentrales Leben auf urbanem Niveau.

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