Transition Austria

Machbare Schritte und profunde Innovationen für eine zukunftsfähige Lebensweise

Zusammenfassung: Transition Initiatives Primer

Transition Initiatives Primer

 

ÜBERSETZT VON ANDREAS EXNER.

Transition Initiativen antworten auf die Zwillings-Herausforderung von Peak Oil und Klimawandel. Die ersten solcher Initiativen starteten in Irland und Großbritannien. Sie zeichnet ein ganzheitlicher und integrierender Zugang aus. Ihr Ziel ist, den Kohlstoff-Fußabdruck zu reduzieren und den fundamentalen Wandel durch Peak Oil zu bewältigen.

 

Es geht also vor allem um eine Verringerung des Energieverbrauchs und ein größeres Maß an Gemeinde-Resilienz. Die Mission der Transition-Bewegung besteht in Inspiration, Information, Unterstützung, Netzwerkaufbau und Training von Gemeinden auf dem Weg zur Transition Initiative.

 

Warum Transition Initiativen notwendig sind

 

Schon der Klimawandel stellt uns vor eine große Herausforderung. Peak Oil bedeutet, dass die Erdölförderung zurückgeht. Peak Oil fordert deshalb die ökonomische und soziale Stabilität heraus, die wir benötigen, um dem Klimawandel zu begegnen. Transition Initiativen sind der beste Weg, die weitreichenden Veränderungen zu unterstützen, die notwendig sind, um Klimawandel und Peak Oil zu bewältigen. Transition Initiativen bemühen sich um Re-Lokalisierung. Sie zielen auf ein erfüllteres Leben, das auf einem stärkeren Maß an sozialer Verbundenheit und Gleichheit beruht.

 

Mehr zu Peak Oil

 

Peak Oil bedeutet das Ende des billigen Erdöls, nicht das Ende des Erdöls überhaupt. Damit wird unsere industrielle Lebensweise in Frage gestellt. Seit der Wende zum 20. Jahrhundert ermöglichte das Erdöl einer von Kohle abhängigen Industriegesellschaft, ihre „Entwicklung“ massiv zu beschleunigen. Seit dieser Zeit wurde jedes Jahr – mit Ausnahme der beiden Ölschocks in den 1970er Jahren – mehr Erdöl gefördert. Mit jedem Jahr wuchs die Komplexität, der Mechanisierungsgrad, die globale Vernetzung und das Niveau des Energiekonsums.

 

Die Probleme dieser Lebensweise beginnen, wenn rund die Hälfte des Erdöls gefördert worden ist. Ab diesem Punkt wird das Erdöl teurer (sowohl in monetärer als auch in energetischer Hinsicht), es fließt langsamer und seine Qualität ist schlechter. Ab diesem Punkt können wir die Menge des Erdöls, das uns zur Verfügung steht, nicht mehr erhöhen.

 

Erdöl hat besondere Eigenschaften:

v    von allen fossilen Stoffen hat Erdöl die höchste Energiedichte und ist am leichtesten transportierbar

v    ständig wachsende Erdölmengen haben das industrielle Wachstum vorangetrieben

v    alle Schlüsselbereiche der Industriegesellschaft hängen völlig vom Erdöl ab: Transport, Gewerbe, Nahrungsproduktion, Raumwärme, Bau.

v    die erste Hälfte des Erdöls eines Ölfelds ist leicht förderbar und von hoher Qualität, die zweite Hälfte jedoch ist nur mit höheren Kosten, langsamer sowie unter größerem Energieaufwand zu fördern und es ist von schlechterer Qualität

v    nach Peak Oil sinkt die gesamte förderbare Ölmenge und es steigt das Risiko von Versorgungsunterbrechungen

v    immer mehr Erdölgeologinnen und -geologen meinen, dass Peak Oil im Zeitraum zwischen 2006 und 2012 erreicht ist

v    technologischer Fortschritt in Erdölexploration und -förderung wird daran nichts Wesentliches ändern. So nahm die Förderung in den USA nach ihrem Peak 1972 trotz technischer Fortschritte mit hoher Rate ab.

 

Ein Report an die US-Regierung 2005, „Peaking of World Oil Production: Impacts, Mitigation & Risk Management“ (Robert L. Hirsch, SAIC) stellt fest: „Der globale Peak Oil stellt die USA ebenso wie die Welt insgesamt vor ein noch nie dagewesenes Risk Management Problem. Wenn der Peak erreicht wird, werden die Rohölpreise und deren Volatilität dramatisch steigen. Deren ökonomische, soziale und politische Kosten werden, sofern eine zeitgerechte Abmilderung der Effekte ausbleibt, ohne Beispiel sein. Wirksame Möglichkeiten zur Abmilderung der Effekte gibt es sowohl auf der Versorgungsseite als auch auf der Seite der Nachfrage. Um einen substanziellen Impact zu haben, müssen diese allerdings mehr als ein Jahrzehnt vor dem Peak realisiert werden.“

 

Jeremy Gilbert, der frühere Chef-Erdölingenieur bei BP, sagte im Mai 2007: „Ich erwarte einen Peak irgendwann vor 2015... und Raten der Förderabnahme von 4-8% pro Jahr.“

 

Dennoch reagieren Politiker in keiner sinnvollen Weise auf diese Probleme. Wenn aber die Politiker das Problem nicht lösen werden, wer löst es dann? Oft wird dafür die Technologie ins Spiel gebracht. Allerdings zeigt eine sorgsame Untersuchung technologischer Lösungsvorschläge ihre mangelnde Ausreifung, ihre oft desaströsen Umweltfolgen und ihre fehlende Realitätstauglichkeit.

 

Wir könnten einfach auf technische Fortschritte und eine andere Regierungspolitik warten. Das ist jedoch eine hochgradig riskante Option. Es liegt daher an uns in unseren lokalen Gemeinden, die Führung in dieser Sache zu übernehmen. Wir müssen JETZT aktiv werden. Die gute Nachricht dabei ist, dass eine Reihe der Maßnahmen, die den Klimawandel abmildern, auch für Peak Oil gut geeignet sind – und umgekehrt.

 

Aktiv werden

 

Transition Initiativen denken global und handeln lokal. Man könnte fragen, warum das Handeln auf Gemeinde-Ebene so wichtig sein soll. Der erste Grund dafür ist, dass man mit diesen Handlungen andere Menschen inspiriert. Deshalb kann ein kleiner Beitrag große Wirkungen entfalten. Der zweite Grund ist, dass globale und nationale Initiativen, die Peak Oil und dem Klimawandel begegnen können, lokal umgesetzt werden müssen.

 

Auf der globalen Ebene gibt es vor allem zwei Regulierungsvorschläge:

v    das Oil Depletion Protocol bietet ein Modell für ölkonsumierende und ölproduzierende Volkswirtschaften, ihren Erdölkonsum zu reduzieren

v    das Konzept Contraction & Convergence verbindet die Reduktion der globalen Kohlenstoff-Emissionen mit einer viel größeren Gleichheit in den Rechten von Einzelnen und Nationen, Kohlenstoff zu emittieren

 

Auf der nationalen Ebene dürften Energie-Rationierungssysteme am vielversprechendsten sein, um den Konsum fossiler Ressourcen zu reduzieren.

 

Auf der lokalen Ebene schließlich liegt der Schwerpunkt der Transition Initiativen. Dabei geht es um einen Prozess der Re-Lokalisierung aller Schlüsselbereiche für die eigenständige Versorgung und Prosperität einer Gemeinde, um die lokale Resilienz gegenüber Peak Oil zu erhöhen. Gleichzeitig wird der lokale Kohlenstoff-Fußabdruck dramatisch reduziert. Auf diese Art wird sowohl auf den Klimawandel als auch auf Peak Oil reagiert.

 

Derzeit beginnen solche Re-Lokalisierungen in mehreren US-Städten und in mehr als 100 Gemeinden überall auf der Welt. Die Stadt Portland in Oregon, wo 550.000 Menschen leben, hat gerade ihren ersten Peak Oil-Report veröffentlicht. Portland hat auch ein Oil Depletion Protocol implementiert: das Ziel ist, pro Jahr den Erdöl- und Erdgasverbrauch um 2,6% zu reduzieren. Das ergibt bis 2050 eine Reduktion um 25%. In Großbritannien interessieren sich immer mehr Gemeinden für einen Energie-Abwicklungsplan, wie er in Kinsale in Irland entwickelt wurde und nun auch in Totnes in Devon fortgesetzt wird. Die vielen Energiereduktions-Programme, die es in Großbritannien gibt, sind vielfach exzellent. Ganzheitliche Lösungen erwachsen daraus aber nur, wenn die Prinzipien der Nachhaltigkeit mit einem Verständnis von Klimawandel und Peak Oil kombiniert wird.

 

Was genau ist das Transition-Modell?

 

Das Transition-Modell beruht auf Experimenten und der Beobachtung von Gemeinden, die lokale Resilienz aufbauen.

 

Die Grundlage des Transition-Modells sind folgende Einsichten:

v    Klimawandel und Peak Oil erfordern, sofort aktiv zu werden

v    ein Leben mit weniger Energie ist unausweichlich

v    die Industriegesellschaft hat ihre Resilienz verloren und kann auf Energieschocks nicht reagieren

v    wir müssen gemeinsam handeln und zwar jetzt

v    auf der Ebene der Weltwirtschaft ist, bei den derzeitigen Konsummustern, fortgesetztes Wachstum unmöglich

v    wir haben enorme Erfindungsgabe und Intelligen in der Aufstiegsphase des Energiekonsums bewiesen – es gibt keinen Grund anzunehmen, warum uns das nicht in seiner Abstiegsphase gelingen soll

v    wenn wir planvoll und rechtzeitig aktiv werden, können wir eine erfülltere und reichere Zukunft aufbauen

 

Wenn es um schwierige Veränderungen geht, bauen viele Menschen emotionelle und psychologische Barrieren auf, die verhindern, dass sie aktiv werden. Die 12 Schritte zur Transition, die das Modell beinhaltet, ist keine zwingend vorgeschriebene „Muss-Liste“, sondern inkludiert das, was wir selbst als wirksam erfahren haben. Die Liste dieser Schritte wird sich mit der Zeit sicher verändern, wenn wir mehr darüber gelernt haben, wie Gemeinden am Besten auf Peak Oil und den Klimawandel reagieren. Die Rolle des Transition Netzwerks ist dabei, den Wandel zu beschleunigen.

 

Kinsale 2021 – ein Energieabwicklungsplan

 

Der erste Entwurf eines Energieabwicklungsplans wurde 2005 in Kinsale erstellt. Er handelt davon, wie Kinsale mit seinen 7.000 Menschen den Übergang in eine Niedrigenergie-Zukunft schaffen kann. Die wesentlichen Teile sind: eine klare Vision der Niedrigenergie-Zukunft und ein klarer Zeitplan, diese zu erreichen. Der Plan behandelt fast alle Aspekte des Lebens in Kinsale, darunter Ernährung, Energie, Tourismus, Bildung und Gesundheit. Das Projekt wurde von Studierenden organisiert.

 

Transition Stadt Totnes

 

Totnes ist die erste Transition Stadt und liegt in Großbritannien. Der Energieabwicklungsplan wurde im Verlauf von 2007 ausformuliert. Das Ziel dabei war, den Plan so zu gestalten, dass er inkludierend wirkt, phantasievoll und praktisch ist und Spaß macht. Die wichtigsten praktischen Aktivitäten zwischen 2005 und 2007 waren:

v    Filmvorführungen (8, mit bis zu 150 Zusehenden)

v    Vorträge (7, mit bis zu 350 Zuhörenden)

v    Events (7, mit bis zu 400 Leuten; darunter Open Space-Treffen zu verschiedenen Themen wie „Ernährung“ oder „Herz & Seele“)

v    Trainings-Kurse (ein 10-Wochen Kurs „Kompetenzen für Powerdown“)

v    Workshops (mit dem Thema „Öl-Verwundbarkeits-Auditing“, für das sich 3 lokale Unternehmen interessierten)

v    Ressourcen-Screening (Lokales Nahrungs-Inventar)

v    Solares Heißwasser-Programm (50 Leute unterschrieben dafür)

v    Pilot-Projekte: Lokalwährung (die von 20 Unternehmen akzeptiert wird), die nun in größerer Dimension weiter entwickelt wird (10.000 Währungsnoten, die von 65 Unternehmen angenommen werden)

v    Mündliche Tradierungs-Archive (Erfahrungen von Menschen, die noch ein Niedrigenergie-Leben kennen gelernt haben)

v    Projekt „Nussbaum-Hauptstadt Großbritanniens“ (Start der ersten Pflanzungen von Nussbäumen)

v    Transition Stories (Workshops mit Schulkindern aus der Gegend, um sie zum Nachdenken über die Niedrigenergie-Zukunft anzuregen)

v    Garten-Sharing (Leute, die zu alt sind um ihre Gärten zu pflegen werden mit Leuten vernetzt, die zwar einen Garten bearbeiten wollen, aber keinen haben)

 

Zusätzlich treffen sich 10 Arbeitsgruppen regelmäßig, um resiliente Niedrienergielösungen für die folgenden Bereiche zu erarbeiten: Energie, Gesundheit, Ernährung, Kunst & Kultur, Herz & Seele – die Psychologie des Wandels, Lokale Regierung, Lokale Ökonomie, Lokales Leben.

 

Eine Liste von Transition Initiativen, die bereits viele Städte umfasst, gibt es auf www.transitiontowns.org/TransitionNetwork/Mulling – wenn es erst einmal genug Transition Initiativen gibt, können wir damit ein wachsendes Netzwerk der Kooperation aufbauen.

 

Kriterien einer Transition Initiative

 

Wir haben ein paar Kriterien entwickelt, die uns sagen, wie bereit eine Gemeinde ist, um die Reise in die Niedrigenergie-Zukunft anzutreten. Es ist wichtig, diese Kriterien ehrlich durchzugehen – wenn es Lücken gibt, dann sollte man sich im Prozess des Aufbaus der Start-Energie und der ersten Kontakt für eine solche Initiative darauf fokussieren.

 

Um sich als Transition Stadt/Dorf registrieren zu können, haben wir diesen etwas formalistischeren Zugang gewählt, und zwar aus folgenden Gründen:

v    Unsere Unterstützerinnen und Unterstützer wollen sicher sein, dass sie ihren Support nur in Gemeinden investieren, die bereit sind, in die „Bewusstseins-Schaffungsphase“ einzutreten

v    Um koordinierte Unterstützungsprogramme aufzulegen, brauchen wir verlässliche Partner

v    Wir haben zumindest einmal bereits die Erfahrung des Scheiterns einer Initiative erlebt, die nicht die richtige Haltung hatte und in der die Leute nicht wirklich verstanden hatten, worum es bei einer Transition Initiative geht

v    „Lokale Transition Initiative“, „lokale Transition Drehscheibe“ und „temporäre Start-Drehscheibe“ sind sehr verschiedene Formen der Aktion und man muss sie von Anfang an als solche diskutieren

 

Die Kriterien entwickeln sich ständig und sind sicherlich nicht in Stein gemeißelt. Hier ist die Liste, die folgende Punkte umfasst:

1.     Ein Verständnis von Peak Oil und Klimawandel als Zwillings-Herausforderung

2.     Eine Gruppe von 4-5 Leuten, die bereit für eine „Führungsrolle“ sind (also mehr als der grenzenlose Enthusiasmus einer einzelnen Person)

3.     Mindestens 2 Leute der Kerngruppe, die einen einführenden 2-Tageskurs besuchen wollen. Dieser wird vorerst in Totnes abgehalten, soll aber früher oder später auch international angeboten werden

4.     Eine potenziell starke Verbindung zur Lokalregierung

5.     Ein Verständnis der 12 Schritte zur Transition Initiative

6.     Die Bereitschaft um Hilfe zu fragen, wenn nötig

7.     Die Bereitschaft, die jeweilige Transition Initiative Webpräsenz regelmäßig upzudaten

8.     Die Bereitschaft, zumindest alle paar Wochen etwas in den jeweiligen Transition Blog zu stellen

9.     Die Bereitschaft der Gruppe, zumindest zwei Präsentationen für benachbarte Gemeinden zu machen, zum Thema „Das haben wir gemacht“ oder „Das waren unsere Erfahrungen“

10.  Die Bereitschaft, mit anderen Transition Gemeinden zu arbeiten

11.  Möglichst geringe Interessenskonflikte im Kernteam

12.  Die Bereitschaft, die Transition Network Formulare für das Funding durch staatliche Förderuneinrichtungen zu verwenden

13.  Die Bereitschaft, sich um Inklusivität zu bemühen. Wir betonen diesen Punkt in Reaktion auf extreme politische Gruppen, die in Transition Initiativen aktiv werden. Eine Möglichkeit ist, die Anerkennung der UN-Menschenrechtserklärung einzufordern. Gruppen, die auf Exklusion hinzielen, sollten nicht in den Entscheidungsgremien einer Initiative mitmachen können

14.  Die Anerkennung des Umstands, dass die Initiative lokal starten muss. Das soll dem Bestreben mancher Gruppen vorbeugen, die lokale Ebene zu überspringen, und gleich auf die Ebene der Region oder Nation zu gehen. Die „Drehscheiben“ sollen sicher stellen, dass diese Kriterien für alle Initiativen in einem bestimmten Gebiet gelten. Für „Drehscheiben“ gibt es eigene Kriterien.

15.  Zumindest eine Person sollte unserer Empfehlung nach einen Permakultur-Kurs gemacht haben. Wir haben den Eindruck, dass das wirklich einen Unterschied macht.

 

Sobald eine Gruppe diese Kriterien erfüllt, gibt es die Möglichkeit für eine Menge an Unterstützung durch das Transition Netzwerk.

 

Wie startet eine Transition Initiative?

 

Es kristallisieren sich vier Arten von Initiativen heraus:

1.     Lokal Transition Initiative – das Herz der „Transition“; sie ist im lokalen Kontext gut eingebettet und eine Steuerungsgruppe inspiriert und organisiert die lokale Gemeinde

2.     Lokale Transition Drehscheibe – befindet sich in einem größeren zusammenhängenden Raum (zum Beispiel einer Stadt) und hilft Lokalen Transitions-Initiativen bei ihrer Gründung

3.     Temporäre Start-Drehscheibe – ist eine Gruppe von Leuten, die daran arbeiten, Lokale Transition Initiativen in ihren Heimatgemeinden aufzubauen. Sobald diese Initiativen groß genug sind, verliert die Start-Drehscheibe ihre Funktion

4.     Regionale Koordinations-Drehscheibe – weniger eine Organisation und mehr eine Ansammlung bereits existierender Transition Initiativen, die sich für wechselseitige Unterstützung zusammenfinden, Ressourcen teilen und eine vereinte Körperschaft gegenüber verschiedenen Regierungskörperschaften bilden

 

Die sieben „Aber“

 

Aber wir haben kein Geld...

 

Das ist nicht wirklich das Problem. Funding ist ein schwacher Ersatz für Enthusiasmus und partizipatives Engagement. Außerdem können Leute oder Fonds, die finanzielle Unterstützung bieten, auch Kontrolle ausüben, mit negativen Effekten für die Initiative.

 

Aber sie lassen uns nicht...

 

Wenn man seine ganze Macht einem nebulösen „Sie“ überantworten will, dann ist man in einer Transition Initative am falschen Platz. Davon abgesehen operieren Transition Initiativen „unter der Radarschwelle“ – sie will weder Opfer produzieren noch sich Feinde machen. Das ist eine gute Voraussetzung, nicht in Konflikt mit bestehenden Institutionen zu geraten. Im Gegenteil: mit wachsender Bewusstheit wächst auch der Enthusiasmus bei denen, die in Machtpositionen sitzen, die dann eher unterstützen und weniger hinderlich wirken.

 

Aber es gibt schon soviele grüne Gruppen in dieser Stadt, ich will ihnen nicht auf die Zehen steigen...

 

Das ist unwahrscheinlich. Eine Transition Initiative bildet ein gemeinsames Ziel für existierende Gruppen in diesem Bereich – einige davon sind zumeist schon ein wenig „ausgebrannt“ und werden sich freuen, wenn ihr neue Kraft einbringt. Wenn man sich mit bestehenden Gruppen zusammentut, fokussiert das deren Arbeit anstatt sie zu duplizieren. Man sollte davon ausgehen, dass existierende Gruppen zu den wichtigsten Verbündeten zählen und entscheidend sind für den Erfolg einer Initiative.

 

Aber in unserer Stadt kümmert sich sowieso niemand um die Umwelt...

 

Das ist oft nur an der Oberfläche so. Wenn man ein bisschen tiefer geht, sieht man, dass erstaunlich viele Leute für Schlüsselelemente einer Transition Initiative sind: Lokale Ernährung, lokales Gewerbe, lokale Geschichte und Kultur.

 

Der Schlüssel ist: geht zu ihnen anstatt zu warten, dass sie zu euch kommen; versucht, den gemeinsamen Boden zu sehen, und die Gemeinde wird gleich viel spannender als ihr zuvor dachtet.

 

Aber es ist doch eh schon zu spät um etwas zu tun....

 

Kann sein, dass es schon zu spät ist, aber es ist wahrscheinlicher, dass es noch nicht zu spät ist. Das heißt, dass ihr eine entscheidende Bedeutung habt. Lasst nicht die Hoffnungslosigkeit eure Initiative sabotieren.

 

Aber ich hab nicht die richtigen Qualifikationen...

 

Wenn du sie nicht hast, wer dann? Du brauchts keine große Erfahrung. Entscheidend ist, dass du Verantwortung für die Umwelt, in der du lebst, empfindest, dass du die Notwendigkeit zu Handeln erkennst, und dass du offen bist für neue Wege, Leute zu begeistern.

 

Wenn es eine Job-Beschreibung geben würde für jemanden, der so eine Prozess startet, dann würde sie folgende Qualitäten umfassen:

v    Positiv

v    Gut im Umgang mit Menschen

v    Basiswissen zum Ort und zu einigen der Schlüsselpersonen in der Stadt

 

Aber mir fehlt die nötige Energie...

 

Man sieht in der Praxis, dass im Verlauf einer Transition Initiative sehr viel „Energie“ freigesetzt wird, die fast nicht mehr zu stoppen ist. Vielleicht fühlt man sich anfangs überfordert von der ganzen Arbeit und der Komplexität, aber es kommen fast automatisch Leute, die helfen.

 

Die 12 Schritte zur Transition

 

Diese Schritte sind in keiner Weise verpflichtend. Jede Initiative reiht diese Schritte auf ihre Art, ergänzt sie, lässt andere weg. Aber sie beinhalten, was wir für Schlüsselaspekte halten und helfen die ersten paar Jahre der Arbeit an einer Initiative.

 

1. Bildet eine Steuerungsgruppe und klärt gleich zu Beginn ihre Funktion

 

Es geht um den Aufbau eines Kernteams, das in der ersten Phase das Projekt steuert. Das Team sollte die Schritte 2 bis 5 begleiten. Wenn zumindest 4 Untergruppen gebildet worden sind, kann man die ursprüngliche Steuerungsgruppe auflösen und durch eine Steuerungsgruppe ersetzen, die von je einer Person aus jeder Untergruppe aufgebaut wird.

 

2. Bewusstseinsbildung

 

Es geht hier darum, die Schlüsselallianzen herauszufinden, tragfähige Netzwerke zu bilden und die Gemeinde insgesamt auf die Initiative vorzubereiten. Damit man einen Energieabwicklungs-Plan wirksam gestalten kann, müssen die Teilnehmenden verstehen, was Peak Oil und Klimawandel für uns bedeuten. Filmvorführungen und Vorträge von „ExpertInnen“ sind dabei sehr hilfreich. Zeitungsartikel, Workshops und Schulen sind ebenfalls sinnvoll.

 

3. Die Basis schaffen

 

Hier steht die Netzwerkbildung im Zentrum. Wesentlich ist, bestehenden Gruppen klar zu machen, dass die Transition Initiative ihre Aktivitäten braucht und auf ein neues Niveau heben kann. Anerkennung für die Arbeit bestehender Gruppen und bereits aktiver Einzelpersonen ist essenziell. Wichtig ist, Peak Oil zu vermitteln: was ist das, was bedeutet es, wie hängt es mit dem Klimawandel zusammen. Ebenso wichtig ist, zu vermitteln, was eine Transition Initiative leisten kann: eine Gemeinde motivieren, Lösungen zu explorieren und Anpassungsstrategien von unten zu generieren.

 

4. Organisiert „den großen Start“

 

An diesem Punkt betritt die Initiative das Licht der breiten Öffentlichkeit, ein Moment des Feierns, des Kraftschöpfens. Unserer Erfahrung nach kann der „große Start“ rund 6 Monate bis ein Jahr nach der Bewusstseinsbildungs-Phase stattfinden. Ein wichtiges Thema sind die praktischen und emotionellen Hindernisse der individuellen Veränderung, die man an diesem Punkt diskutieren kann.

 

5. Bildet Arbeitsgruppen

 

Ein Teil der Gestaltung eines Energieabwicklungs-Plans sind kleinere Arbeitsgruppen. Diese fokussieren auf spezielle Aspekte des Gemeindelebens: Ernährung, Abfall, Energie, Bildung, Jugend, Ökonomie, Transport, Wasser, Lokale Regierung.

 

6. Nutzt „Open Space“

 

Die Open Space-Technik ist sehr hilfreich für Transition Initiativen. Man kann sie für jedes Thema anwenden, und unsere Erfahrungen sind sehr gut damit.

 

7. Kreiert sichtbare praktische Aktionen

 

Der Eindruck, es gehe nur um’s Reden, muss unbedingt vermieden werden. Schon in einem frühen Stadium ist daher wichtig, praktische, deutlich sichtbare Projekte zu starten. Ein Beispiel ist unsere Nussbaum-Aktion, die wir mit Hilfe des Bürgermeisters in Totnes umsetzen konnten.

 

8. Erleichert das „Große Umlernen“

 

Wir müssen viele Fähigkeiten unserer Großeltern wiedererlernen. Dabei kann helfen, ältere Menschen zu befragen, wie sie früher gelebt und gearbeitet haben. Themen für das „Große Umlernen“ sind zum Beispiel: Kochen, Reparieren, natürlicher Hausbau, Gartenbau usw.

 

9. Baut eine Brücke zur Lokalregierung

 

Früher oder später hängt der Fortschritt einer Initiative von guten Beziehungen zur Lokalregierung ab. Oft zeigt sich, dass man offene Türen einrennt.

 

10. Ehrt die Älteren

 

Um ein Bild der Niedrigenergie-Zukunft zu bekommen, müssen wir jene involvieren, die sich an die Zeit vor dem billigen Erdöl erinnern, als an die Periode zwischen 1930 und 1960. Dabei geht es keinesfalls darum, das Rad der Zeit zurückzudrehen, sondern um das Lernen von jenen, die wissen, wie ein Leben mit wenig Energie aussieht. Das stärkt auch die Verbindungen zur lokalen Geschichte.

 

11. Lass das Projekt dorthin gehen, wo es hingehen will...

 

Ihr startet vielleicht mit einer klaren Idee, wo die Transition Initiative hin soll, aber sie wird sich unvermeidlich in eine andere Richtung bewegen. Wenn man dann an einer bestimmten Vision festhält, kostet das nur Energie. Eure Rolle ist nicht, auf alles eine Antwort zu haben, sondern Prozesse zu katalysieren. Es geht darum, den kollektiven Genius der Gemeinde zu fördern – er wird seine eigenen Lösungen kreieren.

 

12. Macht einen Energieabwicklungs-Plan

 

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen bilden zusammen einen Energieabwicklungs-Plan. Dieser hat folgende Elemente:

 

(a)   Lokales Ressourcen-Inventar: aktuelle und potenzielle Verfügbarkeiten und Erfordernisse.

(b)  Transition Zeitplan

(c)   Resilienz-Indikatoren: Kohlenstoff-Emissionen zu reduzieren ohne lokale Resilienz aufzubauen ist aus unserer Sicht zu wenig. Daher betonen wir folgende Indikatoren: %-Satz von lokal produzierter Nahrung, Anteil lokaler Währung im Umlauf, Anteil von Unternehmen im lokalen Eigentum, durchschnittliche Distanzen von ArbeiterInnen in die Stadt, %-Satz von lokal produzierter Energie, Menge erneuerbarer Materialien im Hausbau, Anteil essenzieller Güter, die in der Gemeinde und ihrem Umfeld hergestellt werden, Anteil von kompostiertem Müll usw.

 

Der Energieabwicklungs-Plan kann auch anders heißen: Vision oder Weg. Es geht jedenfalls um ein Bild der Zukunft und der dafür nötigen Entwicklungen, das so farbenfroh, anziehend und unwiderstehlich ist, dass jede und jeder, die und der nicht dabei mitmachen kann, es zum Leben zu erwecken, sich um ihren und seinen Lebenssinn betrogen fühlt.

 

Unserer Erfahrung nach soll so ein Plan folgende Punkte enthalten:

1.     Lokales Ressourcen-Inventar: das erstellen die Arbeitsgruppen. Dabei geht es z.B. um Anteil landwirtschaftlicher Flächen in der Gemeinde, Transportmöglichkeiten, Gesundheitsversorgung, erneuerbare Energie-Optionen, Kapazitäten der Textilproduktion, der Herstellung von Baumaterialien usw.

2.     Schafft eine Vision, wo die Gemeinde in 15-20 Jahren sein will: Wie sieht die Gemeinde aus, wenn man die CO2-Emissionen drastisch reduziert und die lokale Resilienz erhöht

3.     Backcast von der Vision zur Gegenwart: macht eine Liste der Meilensteine, Voraussetzungen, Aktivitäten usw., die nötig sind um die Vision zu erreichen. Die Resilienz-Indikatoren sind wichtig, um das Backcasting zu präzisieren.

4.     Beschafft Euch Lokale Entwicklungskonzepte: sie enthalten normalerweise Fristen und Entwicklungsziele, in die ihr Euch einklinken solltet

5.     Erfindet Transition Erzählungen: dabei geht es darum, die Vision zu beschreiben, auszuschmücken, vorstellbar zu machen – und auch, wie man dorthin kommt und was auf dem Weg dorthin passieren soll oder geschehen könnte

6.     Macht einen ersten Draft des Energie-Abwicklungsplans: verbindet den Gesamtplan und die Transition Erzählungen zu einem zusammenhängenden Ganzen, holt Feedback und ExpertInnen-Meinungen ein

7.     Finalisiert den Draft: integriert die Feedbacks. Realistischweise wird es niemals eine Endfassung dieses Plans geben.

 

Diese Beschreibung ist derzeit erst auf wenigen Erfahrungen begründet. Wir können dann mehr über den Prozess der Erstellung eines Energie-Abwicklungsplans sagen, wenn es mehr Gemeinden mit solchen Erfahrungen gibt.

 

Zur Frage von „Leadership“ und Struktur

 

Wir würden in dieser Frage zuerst einmal gern Noam Chomsky zitieren: „Wenn Leadership delegiert ist, einem Monitoring unterliegt, auswechselbar ist und jederzeit widerrufen werden kann, dann ist es nützlich, ja vielleicht sogar notwendig als ein Instrument. Aber es muss immer mit einem kritischen Blick betrachtet werden.“

 

Weil die Frage der „Führung“ so kontrovers ist, muss man eine klare Definition davon haben, was gemeint ist:

In einer funktionierenden Gruppe kann jede und jeder die „Führung“ ausüben

„Führung“ heißt andere zu inspirieren, Initiative zu übernehmen und anderen zu helfen, ihre Richtung zu finden, die sie verfolgen wollen. Dafür können folgende Eigenschaften wichtig sein: kritische Denkerin/kritischer Denker, IdeengeberIn, Gruppen-HarmonisiererIn, AntreiberIn, OrganisatorIn, VorsitzendeR, externeR NetzwerkerIn.

„Führung“ heißt nicht unbedingt, Macht über eine Gruppe zu haben, sondern es geht darum, dass die Gruppe sich er-mächtigt fühlt. Es geht nicht um Hierarchie, es geht nicht darum, „wer der Boss ist“, es geht nicht um Management und es geht nicht um „Geführte“. Vor allem aber geht es nicht um ein dauerhaftes Label, das einem Individuum aufgeklebt wird.

Jede und jeder von uns hat „Führungsqualitäten“ und es ist wichtig, dass wir sie entwickeln – wir alle müssen in der Lage sein, andere zu inspirieren, und wir alle sollten in der Lage sein, etwas Neues zu beginnen.

Aber wir müssen auch anerkennen, dass wir, je nach Aufgabe, zwischen verschiedenen Rollen hin- und herwechseln werden – InspiratorIn, MacherIn, FristensetzerIn, UnterstützerIn, Verbindungsperson usw. Wenn wir auch in persönlicher Hinsicht „resilient“ sein wollen, dann geht es darum, all diese Rollen auszuprobieren und sie zu entwickeln.

 

Es kann aber sein, dass das Wort „Führung“ so missverständlich ist, dass es für eure Gruppe keinen Nutzen hat. Dann verwendet andere Worte dafür: FokalisatorIn, KatalystIn, KoordinatorIn, Drehscheibe, InitiatorIn etc.

 

Was Konsensfindung angeht, so ist es hervorragend, wenn dafür genug Zeit zur Verfügung steht. Ich glaube an pragmatische Lösungen. Wenn es um eine Entscheidung geht und alle wirklich angehört wurden, die Möglichkeit hatten, die Gruppe zu beeinflussen, und ihre Ideen kritisch aber konstruktiv evaluieren haben lassen, so werden meiner Erfahrung nach die meisten Leute bereit sein, eine der drei Möglichkeiten in Anspruch zu nehmen:

v    Ihre Meinung zu ändern (ohne das als Gesichtsverlust zu erleben)

v    Ihre Ideen mit anderen zu kombinieren, wobei etwas Neues entsteht

v    Akzeptieren, dass der Rest der Gruppe anderer Meinung ist, aber darauf bestehen, dass ihre Minderheitenmeinung dokumentiert und anerkannt ist

 

Wenn man mit Konflikten und Differenzen gut umgeht, so erhöht das in der Regel die Qualität von Entscheidungen und den Grad der Bereitschaft, sie umzusetzen.

 

Strukturen von Gruppen

 

Die meisten von uns wollen in den Transition Initiativen die traditionellen Hierarchien überwinden. Allerdings haben wir nicht die Zeit, uns nur dieser Frage zu widmen.

 

In der kleinen Steuerungsgruppe für das Transition Netzwerk haben wir eine temporäre hierarchische Struktur gewählt. Zugleich haben wir einen Prozess gestartet, um ein besseres Modell zu finden, das wir dann umsetzen wollen – es wird wohl etwas in der Art sein von Genossenschaften, Mondragon, Parecon oder Natural Step.

 

Wir denken, dass man ein bestimmtes Maß an Beweglichkeit benötigt: manche Situationen erfordern eine absolut flache Struktur, andere verlangen Verantwortlichkeiten (gegeneinander und gegenüber StakeholderInnen), andere wiederum machen eine temporäre Führungsrolle notwendig.

 

Wie auch immer man sich auf diese Erfordernisse einer Gruppe einstellt, sie sollte so strukturiert sein, dass man Resilienz, Verantwortlichkeit, Anpassungsfähigkeit und Kooperationsfähigkeit sicherstellt. Eklektizismus ist wahrscheinlich dafür entscheidend.

 

Die Rolle von Lokal-Regierungen

 

Unserer Erfahrung nach sind Lokal-Regierungen zumeist willens, uns zu unterstützen. Zudem gibt es inzwischen mehrere Gemeinden, wo sich zuerst ein Mitglied der Lokal-Regierung bei uns gemeldet hat, um eine Transition Initiative zu starten.

 

Grundsätzlich besteht die Rolle der Lokal-Regierung, so wie sie sich abzeichnet und sowohl von Regierungsoffiziellen als auch von Transition Initiativen unterstützt wird, in „Unterstützung, aber nicht Antrieb“.

 

Wie involviert man Unternehmen?

 

Einige Beispiele dafür sind: Erdöl-Verwundbarkeits-Auditing (welchen Impact haben steigende Ölpreise auf ein bestimmtes Unternehmen und wie kann es sich anpassen), Unternehmens-Stoffaustausch (wie kann ein Unternehmen seinen Abfall einem anderen zur Verfügung stellen, das ihn produktiv nutzt), Lokalwährungen (wie kann man lokal generierten Reichtum auch im lokalen Kontext „behalten“). Zur Zeit sind wir noch ziemlich an der Oberfläche, was die Frage angeht, wie wir Unternehmen einbinden können. Wir erwarten also noch einige überraschende Verbindungen und Arbeitsweisen in diesem Themenfeld.

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