Transition Austria

Machbare Schritte und profunde Innovationen für eine zukunftsfähige Lebensweise

ARTIKEL (Klimaretter.info): Klimaschutz, Jobs und Lebensqualität

Sonntag, 13. Oktober 2013, 11:42 Uhr

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster.
Klimaschutz, Jobs und Lebensqualität

Während in den Metropolen Europas über Details im neuen Bericht des Weltklimarates diskutiert wird, beginnen in den Städten und Dörfern immer mehr Bürger mit dem notwendigen Umbau. Dabei zeigt sich: Es sind gerade die weniger reichen Kommunen, die neue Wege gehen, um Klimaschutz und Lebensqualität zu verbinden.

Aus Nantes (Frankreich) Stephen Leahy (IPS)

In einem Pub von Ashton Hayes, einer kleinen Siedlung im britischen Cheshire, hat eine Abendveranstaltung zum Thema Klimawandel und Energie das Leben der Dorfbevölkerung auf den Kopf gestellt. Zwei Jahre nach dem denkwürdigen Treffen können die Einwohner einen Rückgang ihrer CO2-Emissionen um 20 Prozent vorweisen. Jetzt wollen sie die erste CO2-neutrale Kommune ihres Landes werden.

Bild
Klimaschutz und Lebensqualität – zum Beispiel im Verkehr: Wo die einen mit Elektroautos Geld verdienen wollen, erfinden die anderen das Radfahren neu. (Foto: Thomas Kohler/flickr.com)

"Es ist uns allen bewusst, dass Klimawandel und Ressourcenschwund ein Umdenken erfordern", sagt Rob Hopkins, Mitbegründer der Transition-Towns-Bewegung. Die Bewegung für "Städte im Übergang" bringt Menschen zusammen, um Nachhaltigkeitsstrategien für Straßen und Viertel zu entwickeln und umzusetzen. "Am Anfang stand die Frage: Was können wir Bürger gegen den Klimawandel tun, wenn die Regierungen nichts auf die Reihe kriegen?", berichtet Hopkins.

Szenenwechsel. In dem südafrikanischen Weiler Greyton hatten sich die Abfälle zu einem eklatanten Entsorgungsproblem entwickelt. Daraufhin begannen die Menschen, den Müll in Plastikflaschen zu füllen – und fertig waren die Ökoziegel. Sie haben sich als solide Baustoffe mit einem hohen Dämmpotenzial herausgestellt und werden zum Bau von Toilettenhäusern verwendet.

In Portugal, wo die Arbeitslosigkeit die 20-Prozent-Schwelle überschritten hat und die Löhne fallen, konzentriert sich die Übergangsbewegung darauf, die Abhängigkeit von monetären Zahlungsmitteln einzuschränken. Drei Tage lang ist es einer Kleinstadt gelungen, ganz ohne 
Geld auszukommen, indem die Menschen mit Dienstleistungen "zahlten".

Abhängigkeit von Erdöl, Kohle und Erdgas verringern

"Wir können Dinge in Bewegung bringen", glaubt Hopkins, Autor von Energiewende – Das Handbuch. Anleitung für zukunftsfähige Lebensweisen. Tatsächlich haben sich inzwischen um die 1.000 Gemeinschaften der freiwilligen Non-Profit-Bewegung der Transition Towns angeschlossen, um mit eigenen Initiativen ihre Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern und als Nahrungsmittel-, Wasser-, und Energieselbstversorger Wohlstand und Lebensqualität zu schaffen. 

Wie aus dem neuen Bericht des Weltklimarats IPCC von Ende September hervorgeht, sind die von 1983 bis 2012 in der nördlichen Hemisphäre gemessenen Temperaturen die höchsten der letzten 1.400 Jahre. Der vorsichtig formulierte Bericht schildert wissenschaftliche Beobachtungen wie den Anstieg der Temperaturen, veränderte Niederschlagsmuster und Wetteranomalien. Er bestätigt zudem, dass die CO2-Emissionen steigen und sich die Trends weiter verschärfen werden. 

"Den Städten fällt die wichtigste Rolle bei den Bemühungen um eine CO2-Null-Bilanz zu", meint George Ferguson, Bürgermeister der 500.000 Einwohner zählenden britischen Stadt Bristol. Wie er berichtet, liegen die Schwerpunkte seiner Stadt auf der Förderung des klimafreundlichen Verkehrs wie Radfahren und dem Ausbau von Grünflächen. "Wir wollen die Luftqualität und Gesundheit der Bevölkerung verbessern."

Als eine der ersten Transition Towns ist Bristol zu einer lebendigen Ökostadt für alle geworden, geboren aus dem Austausch von Ideen und Erfahrungen. Bestimmte Straßen sind zwischen 15 und 17 Uhr für Autos gesperrt, um Kindern die Möglichkeit zu geben, dort ungestört zu spielen. Diese Regelung hat in vielen anderen Gemeinden Nachahmung gefunden. 

Lokale Währungen funktionieren

Bristol ist auch Großbritanniens Recycling-Queen. Nun hat die Stadt vor, ein eigenes nachhaltiges Energieunternehmen zu gründen. Ab Anfang nächsten Jahres wird zudem Schulkindern im Rahmen eines von der Stadt finanzierten Aufforstungsprojekts Umweltwissen vermittelt. Sie dürfen unter anderem selbst entscheiden, welche Baumarten wo angepflanzt werden. Diese Mädchen und Jungen, ist Ferguson überzeugt, werden ihr ökologisches Wissen an die Eltern weitergeben.

Bürgermeister Ferguson bezieht übrigens sein gesamtes Gehalt in Bristol-Pfund. Diese Währung wird nur von den lokalen Geschäften angenommen. Mit ihr zahlt er Essen, Kleidung, Friseurbesuch und all die anderen Dinge, die er braucht. 

Derzeit sind weltweit mehr als 400 alternative Währungen in Umlauf. Mit dem Erstarken der Gegenbewegung zur Globalisierung und Dominanz großer Konzerne werden es immer mehr. Die Bürger von Bristol können heute sogar ihre Steuern in der Lokalwährung zahlen. Von großen transnationalen Ketten wird sie nicht angenommen. In diesem Sommer wurde Bristol als erste britische Stadt zur Grünen Hauptstadt Europas 2015 gekürt. "Was wir tun", betont Ferguson, "lässt sich leicht auf andere Städte übertragen".

Klimaschutz bremst Landflucht 

Saint-Gilles-du-Mené in der französischen Bretagne war einst ein Dorf mit schwacher wirtschaftlicher Entwicklung und starker Abwanderungsbewegung. Dann entschloss es sich dazu, zum Netto-Energie-Produzenten zu werden und sich damit neu zu erfinden. Inzwischen bezieht die Ortschaft 30 Prozent ihrer Energie aus einer Kombination eigener Energiequellen wie Wind, Sonne und Biomasse. Außerdem wurde die Wärmedämmung der Häuser erheblich verbessert. Bis 2025 wollen die Bürger ihre Stromüberschüsse an die Nachbardörfer verkaufen.

Bild
Klimaschutz und regionales Wirtschaften gehören zusammen: In der südwestenglischen Hafenstadt Bristol wird mit dem Bristol-Pfund bezahlt. (Foto: Mark Simmons/IPS)

"Unsere eigene Energiewende hat Arbeitsplätze und Synergien geschaffen. Wir stellen unseren eigenen Biotreibstoff für unsere Traktoren her", berichtet Céline Bilsson vom Gemeindeausschuss für erneuerbare Energien. Wie sie erzählt, hat sich ihre Ortschaft von der österreichischen Stadt Güssing inspirieren lassen. Die einst verarmte Stadt im Burgenland war die erste Europas, die sich Ende der 1990er Jahre komplett auf die Versorgung mit erneuerbaren Energien umstellte. Güssing halbierte seinen Energiebedarf mit Hilfe von Energieeffizienzmaßnahmen. Inzwischen verdient die Stadt gut am Verkauf von Ökostrom und ein Unternehmen bietet weltweit Lösungen für die Energieversorgung von Gemeinden an. 

"In Saint-Gilles-du-Mené haben wir keine Zeit mit Klimastudien vergeudet, wir haben einfach gehandelt", sagt Céline Bilsson. "Man muss nur anfangen."

Quelle: http://www.klimaretter.info/energie/nachricht/14772-klimaschutz-job...

Seitenaufrufe: 48

Kommentar

Sie müssen Mitglied von Transition Austria sein, um Kommentare hinzuzufügen!

Mitglied werden Transition Austria

© 2018   Erstellt von Franz Nahrada.   Powered by

Badges  |  Ein Problem melden  |  Nutzungsbedingungen