Transition Austria

Machbare Schritte und profunde Innovationen für eine zukunftsfähige Lebensweise

Fehler korrigieren, bevor ihre Konsequenzen schmerzhaft erfahren werden müssen ?

Heute vormittag wurde der ehemalige Versuchsgarten der BOKU nicht nur von den Besetzern geräumt, die Verantwortlichen ließen auch durch die Securityfirma HelWacht und ihre Subunternehmen gleich die gesamte noch bestehende Infrastruktur der noch bestehenden und bisher noch geduldeten Projekte wie GroßStadtGemüse etc. schleifen. Mit Kettensägen und Baggern und Containern wurde alles dem Erdboden gleich gemacht, was über Jahre  hinweg den Studenten und interessierten Mitgärtnern gedient hatte, um reiche Ernten einzubringen und viel persönliche Erfahrung beim Gärtnern zu gewinnen: Bauwägen, Folientunnel, Beete etc.

Als ich um 11 Uhr hinkam um die Photos unten zu machen, waren die letzten geschockten MitarbeiterInnen von Großstadtgemüse noch da, um wenigstens ein paar Habseligkeiten und Pflanzen zu retten, während die Security niemanden mehr aufs Gelände ließ. 

Der Titel meines Beitrages bezieht sich darauf, dass ich im Vorfeld der Besetzung auf dieses absehbare Ende hingewiesen habe. Die Situation könnte nicht schlechter sein, auf der einen Seite hat sich die bisherige fragile Arbeitsgemeinschaft zwischen Grünen und Großstadtgemüse längst in zwei konkurrenzierende Projekte aufgespalten, haben die lokalen Bürgerinitiative das Anliegen des Selbstgärtnerns noch gar nicht entdeckt, ist die Politik wild dazu entschlossen die Gerasdorfer Strasse und die Marchfeldkanalgegend mit weiteren Wohnbauten zuzupflastern - und die BOKU hat sich schlicht für nichtzuständig erklärt und lehnt jede gesellschaftspolitische Verantwortung im Zusammenhang mit der Wiederherstellung einer tiefen Mensch - Natur Beziehung ab. 

Währenddessen haben die Leute am Sprungbrett Aspern vorgeführt, dass es durchaus möglich ist, intelligent Nischen im System zu besetzen und dort diese unendlich wertvolle Arbeit voranzutreiben. Mit "temporärer Nutzung" und gut geschmiedeten Bündnissen haben sie eine Grundlage gefunden, eine sichtbare und fühlbare Alternative wachsen zu lassen. Die Besetzer des 17. Aprils hingegen haben sich der Versuchung nicht entziehen können, sich mit ein wenig Revolutionsromantik zu betäuben und ihre Kompromisslosigkeit mit absehbarer Konsequenz zur schau zu stellen. Ich habe diese Menschen besucht, mit ihnen gesprochen, und fand sie unglaublich konstruktiv und kreativ. Es war wie ein emotionell befreites Gebiet, eine kaniballismusfreie Zone mitten in Wien, was sie aufgebaut haben. 

Aber das alleine nützt uns nichts. Wenn es uns nicht gelingt, taktisch und strategisch die Keimformen neuen Lebens abzusichern, auch die noch im System geistig noch Verhafteten praktisch mitzunehmen oder sie zumindest nicht zu Feinden zu machen, dann werden wir eben keine wirklichen Alternativen schaffen - und die "Propaganda der Tat" wird auch den SozialhilfebezieherInnen und LaufradbewohnerInnen am Arsch vorbei gehen.

Ich habe mich ein wenig an die Siebziger Jahre zurück erinnert gefühlt, als die Studentenbewegung sich einerseits zeitlich entfernte und sozialräumlichräumlich vollkommen andersartige Prozesse als Mäntelchen umzog - plötzlich waren wir alle nach maoistischer Lesart ein entrechtetes Volk, oder nach trotzkistischer Lesart eine neue Massenavantgarde der schlafenden Arbeiterklasse. Dieser historische Karneval hat seinen Teil dazu beigetragen, dass die Hochschule nach ein paar stürmischen Jahren weiterhin reibungslos eine Produktionsstätte einer eingebildenten Elite bleiben konnte !

Heute spielt man eben Landlosenbewegung a la Brasilien, ohne die komplett andere sozioökonomische Situation wirklich zu reflektieren. Weder wird in Rechnung gestellt dass es diese existentielle Angewiesenheit auf Land (noch) gar nicht gibt bei den Akteuren, noch wird ernsthaft darauf reflektiert was wir wirklich beim derzeitigen Stand der Produktivität brauchen würden. All das hätte hier zum Thema werden können, wie ich schon vor geraumer Zeit in diesem Weblog geschrieben habe - sogar mit Resonanz, Aber jetzt ist die Chance, auf bestehenden Praktiken aufzubauen an diesem Ort sehr gründlich zerstört worden.

temporär ausgesondertes Inventar (siehe unten Kommentar "Vorgeschichte")

das meiste landet direkt in den reichlich aufgefahrenen Containern

der Folientunnel wird demontiert

das letzte Beet wird geschliffen  (dahinter die high tech gengreennouses bleiben noch stehen)

Nur Nina hat ein paar ihrer Pflanzen gerettet .....

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Kommentar

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Kommentar von Franz Nahrada am 1. Juni 2012 um 11:09am

Eine Mail von heute an die Akteure und Interessierten:

Liebe Leute, ich sende Euch das als Reality Check in Bezug auf etwaige Zukünfte des Grundstücks Gerasdorfer Straße.  als mir das eben erzählt wurde, bin ich noch einmal ziemlich wütend geworden, weil es mich in meinem Standpunkt nochmal bekräftigt, dass kein wirklich nachhaltiger Effekt erzielt worden ist bei den potentiellen Verbündeten und Mitträgern dieser Aktion. Und weil ich Euch allen vermitteln möchte: Gut wenn Ihr Euch auf eine Vision einight, die Zeit läuft davon. Aber das wird alles nicht helfen, wenn sie nicht partizipativ propagiert wird.

Gestern fand im  benachbarten Ella Lingens Gymnasium ein Elternabend für die Eltern der zukünftigen Erstklassler statt. Die Aula war voll und die Eltern der Schüler von sechs zukünftigen Klassen lauschten den Ausführungen der Direktorin, die in das Leben und die Entwicklungshoffnungen der Schule einführte.  Ganz zufällig kam ich heut früh beim Einkaufen mit Eltern die dabei waren heute ins Gespräch. weil ich sie über das Thema reden hörte....ich erzähle also Erzähltes, wie es sich eben im nachbarschaftlichen Tratsch verbreitet.....

Die Direktorin nahm in ihrer langen Rede auch Bezug auf das Nachbargrundstück. Wer dabei gedacht hätte, dass sie nur mit irgendeinem Ort die verlorengegangene Perspektive einer Bildung junger Menschen zum differenzierten Umgang mit der Natur erwähnt hätte, der irrt. Oder irgendeine Reminiszenz, egal zu wem aus den kreisen die an einer Gartennutzung interessiert sind. Stattdessen sagte sie in etwa: "Die Boku musste diese Versuchsgärten zurückgeben und dadurch haben wir die Möglichkeit, selber Anträge auf Nutzung in unserem Sinn einzubringen. Wir haben auch schon Anträge eingebracht und hoffen dass das durchgeht. Wir haben ja eine Fußballklasse und fördern den Nachwuchs, vor allem für Kinder die in keinem Verein spielen, und jetzt forcieren wir auch den Mädchenfußball". Sie meinte, dass eine Nutzung als Fußballplatz ein Anliegen sei, für das die Schule sich vehement einsetzen will. Ein Sportplatz, den auch andere Floridsdorfer Schulen benutzen können etc. pp.

http://www.elgym.at/index.php?option=com_content&task=blogsecti...

Ja, das als kleines Postskript zu meinem Blog - Beitrag: 

http://transitionaustria.ning.com/profiles/blogs/fehler-korrigieren...

Franz Nahrada

PS: Die Ziesel sollen natürlich bleiben und beim Fußballspielen zuschauen dürfen.

Kommentar von Rudolf Dangl am 30. April 2012 um 3:10pm

Lieber Franz,

ich habe mich früher mit der Geschichte des Genossenschaftswesens beschäftigt, aber eine "Definition" von Genossenschaft, wie es dein Kommentar nahelegt, ist mir dabei noch nie untergekommen. Was soll eine Genossenschaft, die begriffsidentisch mit Kooperation ist mit Konkurrenz zu tun haben, noch dazu, wo die Vollgenossenschaft kooperativ alle Lebensbereiche abdecken soll?

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"Das ist ja ein wasserdichtes Weltbild ;-)  - Wo waren Genossenschaften "extrem wirtschaftlich erfolgreich"?"

 Vor allem in der Anfangszeit der Bewegung.

"Woran bemisst sich dieser Erfolg?"

Am Verhältnis vom gemeinsamen Aufwand zum Gesamtertrag, an der qualitativen und quantitativen Übereinstimmung der Erzeugnisse mit den Bedürfnissen und an der sich daraus ergebenden, möglichst gleichmäßigen und passenden Verteilung.

"Wie kommst Du auf die Idee eine "Weltfinanzelite" wäre hinter den Bolschewiki gestanden?"

Die Literatur dazu ist enorm und absolut schlüssig im Sinne einer Logik der Macht. Oder sollte die jetzige Situation der apostrophierten 99% gegenüber 1% (in West UND Ost)  das Ergebnis glücklicher Zufälle sein, wo keiner an den Rädchen gedreht hat?

"Waren die Kolchosen auch nur eine Täuschung?"

Nein, aber sie waren Zwangskollektivierungen, was dem Freiwilligkeits- und Basisdemokratieprinzip der Genossenschaft fundamental entgegensteht, damit die Idee pervertiert hat. Nichstdestotrotz wurden in der SU etliche dieser Kolchosen sehr gut geführt und organisiert und waren im realwirtschaftlichen Sinn auch "erfolgreich".

"der Gesellschaft als konkurrierende Martktteilnehmer gegenübertreten"

Eine Vollgenossenschaft, die alle ihre Bedürfnisse selbst, d.h. in Eigenleistung abdeckt, sieht sich eben nicht als "konkurrierender Marktteilnehmer", sondern als das Gegenteil. Sie will niemandem etwas verkaufen und braucht niemanden mehr.

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Wenn die Eva das pachten wollte, wunderbar, da wäre ich, wenn irgend möglich, dabei. Aber gäbe es nicht genug Grünbewegte, die in der derzeitigen Eigentumsordnung über genug Flächen verfügen, die sie zum Selbstkostenpreis für eine entsprechende Nutzung zur Verfügung stellen könnten? Sind wir nur auf staatlich "besetzte" angewiesen, die wir streitig machen müssen?

Kommentar von Franz Nahrada am 29. April 2012 um 11:52am

Die andere, grüne, sanfte Seite der BOKU darf ja auch immer mal gezeigt werden, mit Sonntagsreden und Gastprofessuren -  aber sie zu leben, zu beforschen, zu experimentieren -  diese Gelegenheit wurde hier mit derart offensichtlicher Kaltschnäuzigkeit "net amol ignoriert", dass es mich schaudern lässt.

Kommentar von Franz Nahrada am 29. April 2012 um 9:19am

Der eigentliche Skandal liegt doch in der Art und Weise, wie die BOKU die Besetzung genutzt hat, um das lästige Problem Eva Vesovnik (deren Autarkievorstellungen ganz und gar nicht in das industrielle molekularbiologische patentgeile "Wissenschaftstiger-Modell" der BOKU neu passen, scheinbar elegant "mitzuentsorgen" und so loszuwerden. (Ich hab auf der "Langen Nacht der Forschung Lehrveranstaltungsankündigungen gesehen, bei denen die Leute noch einmal emotionell auf intellectual property robber barons trainiert werden sollen, der "TIGER" ist also keine Erfindung von mir!!!) - Dieses lästige Problem hat man sich supereinfach vom Hals schaffen können, und einige Menschen von der BOKU konnten wohl gleich ihren gesamten über Jahre angestauten Hass darauf stellvertretend durch die Security streng rechtsförmig und gefahrlos austoben.

Mein spontaner Gedanke: 'Der heutige Faschismus, die Gewaltbereitschaft anständiger Staatsbürger zur Verteidigung ihres eingebildeten und prekären Zusammenhaltes gegen Störenfriede, ist gar nicht mehr so sehr staatsvolksbeschwörender Antisemitismus, er ist vielmehr ein GeizIistGeilLeistungIstAlles-beschwörender Wirtschaftsfaschismus.Es wär schön wenn man noch schreien könnte "Wehret den Anfängen" - aber wir sind schon mittendrinnen'.

Kommentar von Franz Nahrada am 29. April 2012 um 9:07am

Das ist ja ein wasserdichtes Weltbild ;-)  - Wo waren Genossenschaften "extrem wirtschaftlich erfolgreich"? Woran bemisst sich dieser Erfolg? Wie kommst Du auf die Idee eine "Weltfinanzelite" wäre hinter den Bolschweiki gestanden? Waren die Kolchosen auch nur eine Täuschung? 

Rudolf, entschuldige und verzeihe mir, aber auf solche absurden und verqueren Theorien und Schlüsse kann man nur kommen, wenn man übersieht, dass das Genossenschaftswesen wie das Gewerkschaftswesen zunächst eben nicht mehr ist als Koalitionen auf der Grundlage des Privateigentumes und des Marktes - zwei Formen die Dir so unverdächtig sind dass Du die in ihnen angelegte "Sprengkraft" hinsichtlich gesellschaftlicher Kohärenz und der Möglichkeit eines konkreten, im Wortsinne "zusammenwachsenden", Gemeinwohls, gar nicht erkennen willst. Genossenschaften sind Zusammenschlüsse von Privateigentümern, die sich allesamt als Mitunternehmer begreifen, das heißt der Gesellschaft als konkurrierende Martktteilnehmer gegenübertreten. (eben als ein Kollektiv, das seine Leistungen zusammenlegt). Wo steht geschrieben dass sie sich NICHT naturwüchsig zum "vollwertigen" Konkurrenzsubjekt a la Raiffeisen entwickeln MÜSSEN, wenn sie der Rationalität des Marktes und seinen "Sachgesetzlichkeiten" folgen wollen???
Und was würde das im Fall der Besetzung und ihrer Anliegen helfen? Eine Rechtsform finden? Eva Vesovnik wollte ohnehin eine genossenschaftsartige Gruppe formieren, die das Areal von der Bundesimmobiliengesellschaft PACHTET - so what????

Kommentar von Rudolf Dangl am 29. April 2012 um 8:30am

Die Genossenschaftsidee war den Herrschenden mit der Zeit natürlich ein Dorn im Auge, weil sie wirtschaftlich extrem erfolgreich waren, gleichzeitig aber die vorhandene Herrschaft weitgehend überflüssig gemacht hat. Dem musste entgegengesteuert werden. So ursprüngliche Idee bei uns degeneriert (Raiffeisen Sektor, Konsum, Volksbanken u.a.) und auch bewusst pervertiert worden (schon durch Lenin in der Sowjetunion, die Kolchosen und so). Der wesentliche Zweck zur Errichtung der UDSSR durch die Weltfinanzelite war es ja, die Idee der Genossenschaft als Erfolgsmodell zu zerstören (was ja auch gründlich gelungen ist). Übrig geblieben ist das, was sich heute versucht, als Solidarische Ökonomie zu sammeln, wo aus meiner Kenntnis nur die baskische Mondragon-Gruppe noch bis zu einem gewissen Grad Aspekte der Ur-Idee enthält, aber scheinbar die politische Sprengkraft nicht wirklich verstanden hat. Und die heutigen meist linken Solidarbegeisterten -- berauscht von ihren Antikapitalismus-Emotionen und Rechthabereigefühlen --  haben auch nicht begriffen, worum es wirklich geht.

Die kleinen Weber in England waren seinerzeit in einer ungleich beschisseneren und ohnmächtigeren Lage und haben dann begonnen, Schritt für Schritt gemeinsam ihre Lage zu verbessern und zu sich die Macht über ihr Leben zurückzuholen. Daraus ist letztlich dann die Genossenschaftsbewegung entstanden, die interessanterweise dann mit Hilfe des "Marxismus" weitgehend zerstört wurde, von der heute nur mehr ein Zerrbild übrig ist. Das wurde massenpsychologisch sehr raffiniert durchgeführt, indem die Eliten gekonnt auf der Klaviatur der niederen Instinkte spielten und die Massen prompt in die Falle gegangen sind.

Ich bin ja oft bei diversen Veranstaltungen zu damit verbundenen Themen und muss immer das Trauerspiel mitansehen.

Kommentar von Franz Nahrada am 29. April 2012 um 7:56am

@ Rudolf: Ich weiß jetzt nicht ob der Hinweis sachdienlich ist. Was genau meinst Du was man davon lernen könnte? Und warum hat sich die Genossenschaftsbewegung in eine ganz andere Richtung entwickelt als in Richtung solidarische Ökonomie?

Kommentar von Rudolf Dangl am 28. April 2012 um 2:27pm

Ich denke, es wäre keine schlechte Idee, sich die Anfänge der Genossenschaftsbewegung anzusehen. Vielleicht lässt sich daraus Brauchbares lernen.

Kommentar von Franz Nahrada am 27. April 2012 um 3:35pm

Ich habe ebenda geantwortet ;-)

Kommentar von Andreas Exner am 27. April 2012 um 2:15pm

@Franz; Ich sehe das anders.

Meinem Eindruck nach beruht Dein Statement zum Teil auf Unkenntnis.

Hier meine Argumentation, wonach diese Aktion 1. vielschichtig ist, 2. gerade deshalb der kapitalistischen Vielfachkrise angemessen, 3. an das Zentrum der Ursachen dieser Krise rührt und 4. Schmerzen involviert, die eine wirkliche Alternative schwer vermeiden kann.

Anpassung ist sicher der falsche Weg.

http://transitionaustria.ning.com/profiles/blogs/warum-besetzung-so...

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