Transition Austria

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Permakultur bringt Hoffnung für Kleinbauern am Kilimanjaro

Ein grundsätzliches Bestreben der Natur ist die Rückkehr zum Wald. Ein gut organisierter Wald kann uns alles Bieten was wir zum Leben brauchen: frisches sauberes Wasser, Nahrung, Medizin, Futter für Tiere, Baustoffe und Energie. So auch die Homegarden der Chagga am Kilimanjaro in Tansania, welche seit einigen Jahrzehnten ihrer Existenz bedroht sind und immer mehr verdrängt werden. Die Ideen der Permakultur bieten den Menschen neue Möglichkeiten.

In der Mitte des Tisches steht ein Tablett mit einem Krug Wasser und Trinkgläsern, daneben eine Schale mit Bananen, Avocados und Papayas. Am Nebentisch ist ein Buffet aufgebaut, ein Topf mit gekochten Bohnen, einer mit Maissterz und ein weiterer, jedoch erheblich kleinerer, mit einer Sauce mit Rindfleischstücken, klein geschnittenem Paprika und Karotten. Der aromatische Geruch breitet sich über den Tisch aus, bis hin zu den Tellern und dem Essbesteck. Karibu Sana – wir werden höflich eingeladen uns zu bedienen. Wir sitzen jetzt alle um den großen Tisch und warten auf das gemeinsame Tischgebet, die beiden 40 Watt Lampen können kaum den ganzen Raum ausleuchten, doch aus den schon müden Gesichtern der Kinder, funkeln die Augen fröhlich hervor. Jedes der 5 Kinder hat seine Geschichte hinter sich gelassen und wurde in der Familie Masawe aufgenommen.

Aloisi und Agnes Masawe haben es mit viel Fleiß und Offenheit zu einem bescheidenen Wohlstand gebracht. Als Aloisi mit 14 Jahren Metzger werden sollte, verkaufte er sein Huhn und schlug sich von der Kiboscho Region bis nach Nairobi / Kenia durch, wo er die Highschool besuchte, bis er wegen dem fehlenden Schulgeld flog. Zurück in Tansania verdiente er sein Geld in einem kleinen Laden und schaffte die Aufnahmeprüfung für einen Job in ein von Kanada finanziertes Imkerei-Projekt. Nebenbei absolvierte er die Highschool und konnte dann auch einige Zeit in Kanada und Australien verbringen. Zwischendurch kaufte er sich ein kleines Stück Land unweit seines Elternhauses und gründete mit seiner Frau Agnes eine Familie. Da er genau kalkuliert und Imker mit Leib und Seele ist, fühlt er sich dem organischen Landbau verbunden und verzichtet in seiner 2 ha Landwirtschaft auf Herbizide, Pestizide und Industriedünger. Eine kleine, stachellose Bienenart ist seine Spezialität, es gab in der Region zwei alte Männer mit je einem Bienenvolk. Aloisi vermehrte diese erfolgreich und gab weitere Ableger an Nachbarn und Interessierte weiter. Jetzt kommen Menschen aus ganz Tansania zu ihm, um Bienenhaltung und Honiggewinnung zu lernen. Dieses wunderbare Geschöpf kann ohne Probleme in Nahbereich von Mensch und Tier gehalten werden, so findet man im Innenhof unter Dachvorsprüngen zahlreiche Bienenstöcke.

Früher ernährte ein produktiver Waldgarten mit 1ha Fläche eine große Familie. Heute schaffen es Bauern mit dem Anbau von Cash Crop wie Kaffee und Mais nicht mehr. Das als Homegarden bekannte Bewirtschaftungssystem lieferte rund um das Jahr Lebensmittel, Futter für die Tiere, Medizin, Bauholz und Energieholz, Terrassen verhinderten Erosion. Reste des ehemaligen florierenden Systems sind noch erkennbar. So bilden Erdnüsse und Kartoffel die Knollenschicht, Buschbohnen und manchmal auch Kürbisse die Krautschicht. Die nächste Ebene bilden Yams, gefolgt von Kaffeestauden, zwischendurch Mais und immer wieder sind kleinere, Stickstoff sammelnde Bäume zu finden. Auf dieser Ebene befinden sich auch Zitrusfrüchte, Granatapfel und Zimtbaum, eine weitere Ebenen bilden Bananen, Mangos und Papayas, gefolgt von der Kronenebene, Bäume wie Avocado und verschiedene als Bauholz verwendete Stickstoffsammler. Teilweise bis in die Kronenschicht rankt Queme, ein Ölkürbis, auf den niedrigeren Bäumen Passionsfrucht und Kajote. Oft sind die Grundstücke mit einer dicht verwachsenen blühenden Dornenhecke eingefasst.

Pflanzen wie Mais und Kaffee wurden wegen der Einführung von Steuern durch die wechselnden Kolonialmächte Deutschland und England als Cash Crop gepflanzt. Diese beiden Pflanzen verdrängen jetzt all zu oft in Monokulturen die Waldgärten mit ihrer Biodiversität. Bananen und Mais sind Nährstoff- und Wasserkonkurrenten. Die Böden sind ohne eine Dauerkultur auf eine konstante Nährstoffzufuhr angewiesen. Alle die sich den industriellen Dünger nicht leisten wollen, holen sich Dung von den Massai, einem typischen nomadisierenden Rinderzüchtervolk aus den Tiefebenen. Starke Regenfälle in den beiden Regenzeiten und heiße Winde in den Trockenzeiten verursachen erhebliche Erosionsschäden. Von der ehemaligen Kolonialmacht Deutschland errichtete Wasserkanäle wurden von Einheimischen in den letzten Jahren ausgebaut, jedoch gibt es trotz Regelung immer wieder Streitigkeiten, wer wann wieviel Wasser entnehmen darf. In der Trockenzeit wird das Wasser zu wenig, da immer mehr Wald am Kilimanjaro gerodet wird und so der natürliche Wasserspeicher verschwindet. In der Regenzeit kann der Boden die Wassermassen nicht aufnehmen und es kommt zu Murenabgängen. Doch gerade hier wird das Problem zur Lösung, mit waagrechten Wasserrückhaltegräben, welche die Bauern selber graben können, kann das Wasser dort wo es gebraucht wird einfach im Boden gespeichert werden.

Nach dem wir uns mögliche Plätze auf Aloisis Farm angeschaut hatten, vereinbarten wir mit ihm, einen waagrechten, 50 m langen, Wasserrückhaltegraben anzulegen. Vorbereitend bauten wir aus drei geraden Latten einen A-Rahmen. Dieser Rahmen aus Holz wird mit einem Senklot versehen. So kann man ganz einfach durch abschlagen wie mit einem Zirkel, die Geländekontur heraus finden. Wir zogen die Humusschicht ab und häuften die lockere Erde zu einem kleinen Damm, für Beispielsweise einjähriges Gemüse an. Die frei gewordene Fläche bedeckten wir mit einer Schicht organischen Materials und errichteten darauf einen großen Damm mit dem Aushubmaterial des einen Meter breiten Graben. Fleißig unterstützten uns interessierten Nachbarn. Stück für Stück arbeiteten wir uns an den Markierungen entlang und kontrollierten immer wieder das Niveau des Grabens, um ein Gefälle zu verhindern. Tags darauf folgte Regen und alle konnten die Funktion erkennen: Wasser wird vor Ort zum Versickern gebracht. Wichtig ist, dass der Damm dauerhaft bepflanzt und gut gemulcht wird. Aloisi versicherte uns, er wolle nach der Maisernte das ganze Feld so umgestalten.

Auf unserer Reise durch das Landesinnere sahen wir viel Not, Bauernhöfe die wegen Trockenheit aufgegeben worden waren sowie kranke und hungernde Menschen. Doch wir sahen beim Besuch von Permakultur-Projekte auch die Hoffnungen und Möglichkeiten der Menschen. Wir freuten uns über die Aufgeschlossenheit der Menschen in Umbwe Onana am Mount Kilimanjaro und möchten diese Region im Oktober 2010 mit einem Permakultur-Designkurs unterstützten.

Bernhard Gruber


72h Permakultur-Zertifikatskurse im Jahr 2010
mit Christoff Schneider und Bernhard Gruber

März in Hohnebrunn bei München D / A
Juni in Dietmanns bei Gmünd A / Cz
Juli in Stühlingen D / CH
August im Naturpark Hohe Wand / A
Oktober in Umbwe Onana / Tansania

Weitere Infos: www.permakultur-jetzt.eu

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