Transition Austria

Machbare Schritte und profunde Innovationen für eine zukunftsfähige Lebensweise

Wir alle kennen den Löwenzahn, lateinisch taraxacum officinalis. Er wird auch Kuhblume, Milchblume, Pusteblume, Hundeblume, Bettseicher, Sechblume genannt.
Als wir Kinder waren, haben wir den unteren Teil des Stengels in Streifen gelöst und mit diesem im Mund gesungen: „Löwenzahn, Löwenzahn, mach mir einen schönen Schlüssel!“ und die Streifen kringelten sich; nachher haben wir unsere „Schlüssel“ verglichen, wer denn den schönsten hat. Was wir mit diesem Schlüssel öffnen könnten, haben wir nicht gewußt. Aber auf jeden Fall war die ganze Sache geheimnisvoll. Waren es vielleicht Schlüssel zu verborgenen Schätzen in den Felsen – oder zu der eigenen Seele? Vielleicht gibt uns der Löwenzahn selbst eine Antwort.
Der Löwenzahn hat eine kegelförmige, spitze, lange Wurzel, so dass er tief ins Erdreich gelangt, wo er auch bei einer allgemeinen Trockenheit genügend Wasser findet. Er lockert die Erde auf und zieht Nährstoffe nach oben, womit er sehr nützlich ist.
Am oberen breitem Ende der kegelförmigen Wurzel sprießen im Frühjahr kleine Blätter, die sich spiralförmig um den Hals der Pflanze, d.h. an der Grenze zwischen der Wurzel und dem künftigen Stengel, angeordnet haben. Die Blätterspirale setzt so die kegelförmige Form der Wurzel fort. Es ist eine Spirale, die ihre Spitze, ihren Anfang, tief im Erdboden hat, und die sich genußvoll immer mehr verbreitet und öffnet, dem Himmel, der Sonne entgegen. Mitten drin erscheint dann auf einem langen Stengel die Blüte, die offensichtlich das Bild der Sonne ist, ihr Kind. Die Blüten sind wie kleine Sonnen, strahlend wie die Sonne selbst.
Im Löwenzahn verbinden sich zwei Aspekte – der eine ist feurig, wärmed, lichtvoll, männlich und bei einem blühenden Löwenzahn auf den ersten Blick sichtbar. Der andere, weibliche Aspekt, ist mondhaft, wassehaft, kühlend. Der ist in der Pflanze als weisser, milchiger Saft verborgen.
Wir haben somit das Feuer- und Wasserelement erwähnt. Dem Löwenzahn entspricht aber auch das Luftelement. Die Luft äußerst sich beim Löwenzahn erst in seiner Reife – bei seinen Samen. Es sind kleine flaumige Fallschirmchen, die weit und hoch und auf alle Seiten fliegen.
Nach alten Überlieferungen wird der Löwenzahn dem Schützen - Jupiter zugeordnet, soll aber auch die Eigenschaften der Sonne, des Mondes, der Venus und des Marses aufweisen.
Löwenzahn als Heilpflanze öffnet, kühlt, reinigt und trocknet.
Im Frühjahr essen wir hauptsächlich seine jungen Blätter - als Salate, in die Frühjahrssuppen, zum Brot, in den Spinat. Äußerlich können wir die Blätter auf kleine Verletzungen oder entzündete rote Stellen auflegen, weil diese somit gereinigt, gekühlt und genährt werden. Die sonnenhaften Blüten vermitteln dagegen Wärme und Aktivität.
Die Heilkräuterkundige Frau Maria Treben empfiehlt für die Blutreinigungskur, für Erneuerung der Bauchspeicheldrüse, für Erfrischung der Leber, Gallenblase und der Nieren, während der Löwenzahn blüht, 5-10 Löwenzahnstengel täglich zu essen, 3 Wochen lang. Im Stengel wirken die Marskräfte, was man an der rötlichen Farbe des Stengels erkennen kann. Das Marsische gibt der Reinigung Tiefe, Energie und Kraft, es ist nicht nur oberflächliches Kitzeln.
In Anbetracht der wärmenden Kräfte der Blüten können wir zu dem Reinigungs- und Erneuerungszweck auch die Blüten benutzen – als Löwenzahnhonig, roh gegessen, zum Brot, oder anders im Essen verarbeitet. Besonders bei Menschen, die schwach und frierend sind oder chronische Krankheiten haben, sollte man die wärmenden, aktivierenden Blüten benutzen, die „die Dinge in Bewegung bringen“.
Als Heilpflanze gegen Warzen wurde der Löwenzahn so genutzt: Am 3. Tag nach dem Vollmond, also bei abnehmendem Mond, wurde die Löwenzahnwurzel ausgegraben und die Warzen mit dem milchigen Saft die Warzen bestrichen. Zusammen mit abnehmenem Mond verschwanden auch die Warzen.
Bis zu der Zeit, wo im 16. Jahrhundert die erste Sonnenblume aus Amerika nach Europa gebracht wurde, nannte man in den deutschen Ländern den heutigen Löwenzahn Sonnenblume. In der christlichen Kunst und Ikonographie wurde der Löwenzahn inhaltlich dem Christus zugeordnet, der „Sonne der Welt“. Und weil das Licht und die Augen sich gegenseitig bedingen, galt der Löwenzahn im Mittelalter als hervorragendes Heilmittel gegen verschiedene Augenkrankheiten. Es gab z.B. den Brauch, 9 Wurzelstücke aufeinandergereiht um den Hals zu tragen. Es soll ein Kraut sein, welches „den Schleier von den Augen nimmt“. Vielleicht nicht nur körperlich?
Der englische Kräuterarzt Culpeper schrieb um das Jahr 1650: „Diese Pflanze hilft, besser zu sehen, auch ohne Brille.“ Und der bekannte Kräuterheiler des letzten Jahrhunderts, Pfarrer Künzle, sagte: „Die bittere Milch des Löwenzahns erhellt die Augen und vertreibt Flecken. Die Milch wird einfach in die Augen geträufelt.“
Wenn jemand gerötete Augen hat, soll er sie mit Wasser waschen, in welcher einen ganzen Tag lang eine geschnittene Löwenzahnwurzel eingeweicht wurde.
Diese Wurzeln sollen nach bestimmten Regeln gesammelt werden – vor dem Sonnenaufgang, wenn der Mond abnimmt und sich gleichzeitig im Tierkreiszeichen Jungfrau befindet.
Glauben sie, das sei unwichtig? Die neuesten Forschungsergebnisse zeigen, dass sich der Pflanzenstoffwechsel je nach Lage der Sonne, des Mondes und der anderen Planeten ändert. Der Löwenzahn ist energetisch und chemisch anders in der Früh und anders am Abend. Im Frühling anders als im Herbst. Im Frühjahr z.B. enthält die Wurzel 1,5% Inulin und etwa 17% Zucker. Im Herbst ist der Zuckergehalt viel niedriger, Inulin dagegen steigt auf 40%. Im Frühjahr sind in der Wurzel mehr Bitterstoffe enthalten als im Herbst. Im August ist der Inulingehalt auf seinem Maximum, im September der Taraxacin-, im Oktober der Levulingehalt. Etwa 50 Stoffe aus der Löwenzahnwurzel, die bisher erforscht wurden, unterliegen diesen Veränderungen des Stoffwechsels.
Nach Rudolf Steiner, dem Gründer der antroposophischen Weltanschauung, kann der Löwenzahn kontrolliert und mit Maß die Einflüsse des Lichtes und der kosmischen Strahlung nutzen, sie in eigene Kraft verwandeln. Der Vermittler der Sonnenenergie auf der materiellen Ebene ist Silizium, welches im Stoffwechsel des Löwenzahns eine bedeutende Rolle spielt. Steiner hat gezeigt, dass Pflanzen mit starkem Silizium-Stoffwechsel sehr empfindsam gegenübert Licht sind und Einflüsse des Lichtes und der kosmischen Strahlung gut nutzen können, ohne sich von ihnen überwältigen zu lassen und giftige Stoffe zu produzieren. Im Stoffwechsel des Löwenzahns sind Siliziumprozesse harmonisch mit den Kaliumprozessen verwoben. Kalium ist an dem Wasserhaushalt der Pflanze beteilgt (milchiger Saft). So ist im Löwenzahn das männliche Prinzip – Licht, Feuer, Wärme – im Gleichgewicht mit dem weiblichen Prinzip – Wasser, Mond, Kühlung, Ernährung.
Die enrgetische Form des Löwenzahns, der spiralförmige Kegel, zeigt sich auch in der Form der flaumigen Fallschirmchen, die wie Trichter aussehen, nach oben geöffnet. So wie uns die Löwenzahnblüte an die Sonne erinnert, ist der reife Kopf mit unzähligen flaumigen und luftigen Sternchen ein Abbild des Sternenhimmels. Gleichzeitig ist dieser nach oben geöffnete Trichter eine Form, die die starke Empfänglichkeit und Empfindlichkeit des Löwenzahns gegenüber kosmischen Einflüssen ausdrückt. Als ob sich im Löwenzahn die fruchtbare Dunkelheit der Mutter Erde den Einflüssen des göttlichen Vaters öffnen würde, seinen formgebenden Strahlen.
Der zärtliche, flaumige Kopf des Löwenzahns – der Pusteblume - wurde auch als Orakel benutzt. Der Mensch stellt eine Frage und pustet dann mit aller Kraft. Wieviele Samen noch am Kopf dran bleiben .... soviele Jahre werde ich noch leben, soviele Jahre dauert es noch bis zur Heirat, soviele Kinder werde ich haben, soviele Tage werde ich noch warten usw. Wenn Sie aber was wirklich Wichtiges zu fragen haben, sollten Sie vielleicht erst mit dem sternenbesäten Köpfchen sprechen, bevor Sie pusten.
Wie jede Pflanze, so hat auch Löwenzahn seinen Geist, seinen Engel, oder, wie man es auch oft nennt, seine Deva. Die anderen Pflanzendevas wären z.B. die Roseneva, Schneeglöckchendeva, Linsendeva ... oder könnten wir sie in unserer Sprache vielleicht Königinnen und Könige nennen? Probieren wir es: Die Rosenkönigin, die Veilchenkönigin, die Schneeglöckchenkönigin ... der Löwenzahnkönig, Wermutkönig, Wegerichkönig. Welche Bezeichnung wir auch wählen, ist nicht so wichtig, wie unsere Beziehung zu der Pflanze, die liebevoll, ehrlich und dankbar sein sollte.
Warum rede ich dann über die Bezeichnung? Nun, in jeder Gesellschaft ist es ein Brauch, dass sich Menschen grüßen, wenn sie sich begegnen, dass sie sagen, warum sie gekommen sind, wenn sie an unserer Tür läuten, dass sie fragen, wenn sie was wollen. Es kommt zur Begegnung, zum Austausch. Gelegentlich, wenn man ein Geschenk bekommt, ist es eine Selbstverständlichkeit, dass man sich zumindest bedankt.
Wenn wir von einer Pflanze Hilfe erwarten, sollten wir ihre Deva oder Königin wie einen Freund ansprechen. Wir begrüßen sie und teilen ihr mit, warum wir sie brauchen und für wen. Wir bitten sie, ihre Heilkraft in die Pflanzen zu geben, die wir gerade sammeln wollen. Wenn wir genommen haben, was wir brauchen, können wir ein kleines Geschenk hinterlassen – ein selbstgebackenes Plätzchen, einen schönen kleinen Stein, ein Stück Brot u.ä. Wir können auch beten oder ein Lied singen.
Pflanzen sind normalerwese in einem schlafähnlichen Zustand, was ihre Beziehung zum Menschen betrifft. Deswegen muss man sie duch Ansprache, Begrüßung, Gesang oder freundliche Gedanken wecken. Se sind dem Menschen ergeben, sie tun, was der Mensch von ihnen will, vorausgesetzt, er verhält sich freundlich, liebevoll. Pflanzen sind zum Menschen wie der Mond zur Sonne – sie spiegeln seine Güte, Aufmerksamkeit, Freundlichkeit. Wieviel Liebe wir ihnen gegenüber zeigen, mit socher Kraft können sie uns helfen.
Unsere Zivilisation hat ihre ursprüngliche Beziehung zur Natur verloren. Wir kennen nicht mehr die verschiedenen Naturwesen, die um uns existieren und mit uns den Lebensraum teilen. Viele Menschen, die in den vergangenen Jahrhunderten davon noch Kenntnis besaßen, wurden durch die naturfeindliche Kirche als Ketzer oder Hexen beseitigt. Zu Unrecht haben wir die „Götzen“ der Naturvölker und auch die unserer Vorfahren verurteilt. Es waren keine Götzen, sondern Abbilder von Naturwesen, die für das äußere Auge unsichtbar sind und dennoch real existieren. Die entsprechenden Rituale waren eine Möglichkeit, mit diesen zu kommunizieren.
So, wie wir uns anständig zu unseren Mitmenschen verhalten, so sollten wir auch unsere Freunde aus dem Pflanzen- und Tierreich respektvoll behandeln. Sie sind keine Menschen. Aber sie stammen von dem gleichen Schöpfer ab wie wir, sie sind unsere Geschwister. Und was wichtig ist, sie sind bewusst und fähig zu kommunizieren. Nur wir haben die Fähigkeit eingebüßt, sie wahrzunehmen.
Wenn Sie mit einem Engländer kommunizieren wollen, werden Sie wahrscheinlich Englisch lernen. Wenn Sie mit einer Pflanze kommunizieren wolen, müssen Sie einfach nur anfangen. Sie reden laut oder in Gedanken die Pflanze an und geben Acht, was als Antwort zu Ihnen zurück kommt – Gedanken, Gefühle, Bilder; es kann auch ein Schmetterling oder eine Biene solches Verhalten an den Tag legen, dass Sie die Antwort verstehen. Sie können beginnen, wenn Sie Lust dazu haben! Es geht nur darum, anzufangen.
Die Naturwesen warten sehnsüchtig darauf, dass wir endlich begreifen, dass wir nur zusammen ein erfülltes, glückliches und gesundes Leben führen können. Sie verstehen nicht, was wir haben, dass wir uns von ihnen abgewendet haben. Sie tragen aber keinen Zorn. Sobald wir uns ihnen wieder zuwenden, freuen sie sich riesig und sind bereit, alles für uns zu tun, was in ihren Kräften steht.

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