Transition Austria

Machbare Schritte und profunde Innovationen für eine zukunftsfähige Lebensweise

Rundschreiben an Transition Austria Mitglieder vom 20. August 2010

Liebe Leute,

heute ist der 20. August und viele zehntausende NING Netzwerke auf der ganzen Welt werden heute ab Mitternacht abgeschaltet und gelöscht werden. Wir haben uns über diese erpresserische Art von NING - zuerst möglichst viele Benutzer mit der Leimrute der Kostenfreiheit anlocken und dann die damit erzeugten Abhängigkeiten zu kapitalisieren - empört, aber uns dann doch entschlossen, für eine Zeitlag in den sauren Apfel zu beißen und die durchaus gut funktionierende Infrastruktur zumindest einmal ein Jahr weiter zu benutzen. Wohlgemerkt, nicht der Umstand dass NING Geld für seine Leistung verlangt ist das Kritikable an der Sache, die Leistung ist solide und verbessert sich technisch sogar, sondern die Art wie dieser Schachzug durchgeführt wurde - natürlich als "Austausch der Führung" und alternativlose "Entscheidung des neuen Chefs". Wieviel menschliche Energie und wieviele Anstrengungen von GründerInnen dabei den Bach runter gegangen sind: danach fragt keiner in der monetarisierten Welt.

Die Entwicklung von Transition Austria als Netzwerk hingegen ist sehr erfreulich; in den letzten Tagen sind 10 neue Mitglieder dazugekommen, es bilden sich neue Gruppen und die Diskussionen sind lebendig. Aber das Schönste ist wohl, dass mittlerweile auch andere von dieser Entwicklung Notiz nehmen. Edina Camus ist Redakteurin und Koordinatorin des neuen Projektes "Alternativenforen". http://www.alternativenforen.at/index.php und hat sich auch hier in Transition Austria registriert - und einen überraschenden Vorschlag zur Zusammenarbeit gemacht.

Die Alternativenforen werden gehostet von ATTAC und unter anderem unterstützt von Global 2000

Wer die Hauptstoßrichtung von ATTAC kennt, nämlich die politische Intervention und Propaganda zur Besteuerung von Finanztransaktionen, wir überrascht sein: denn die Alternativenforen vermitteln ein völlig anderes politisches Ziel als die systemimmanente Intervention in den Spielregeln zwischen Staat und Finanzmärkten. Hier geht es wirklich um Mobilisierung der Basis, und zwar nicht in ihrer Eigenschaft als protestierende und Betroffene, sondern als aktiv und verändernd Handelnde. "In Alternativenforen werden Lösungsansätze für eine zukunftsfähige, lebenserhaltende Gesellschaft gemeinsam entwickelt, umgesetzt und gelebt. Im Einklang mit der Natur, zum Wohle der Gemeinschaft von Menschen und für eine gerechte Verteilung der Ressourcen."

Inhaltlich gibt es da kaum Unterschied zu Transition, oder vielleicht auch gar keinen, wenn man von den verschiedenen Ausgangspunkten und Zugangspunkten absieht. Auch hier geht es um die möglichst effektive Organisation vor Ort:


Nun hat also Edina einen Vorschlag gemacht, den sie wohl auch mit den Leuten von ATTAC abgesprochen hat:

Wie wir schon nach dem letzten Rundschreiben besprochen haben, wollen wir gerne, dass Transition Austria mit Alternativenforen zusammenwachsen kann und eine gemeinsame Kommunikationsplattform entsteht.

Letzter Stand der Dinge war nun: diesen Zusammenschluss schön langsam zu planen und einen größeren Ratschlag zusammenzutrommeln welches Tool und welche Form dafür am Besten geeignet wäre. ...

Jetzt ist mir gerade ganz klar eingeschossen - ein Vorschlag:
Am Einfachsten und Effektivsten wäre doch wenn wir auf der Startseite dieser bestehenden Transition Plattform schreiben: Transition Austria & Alternativenforen (+Logo von Alternativenforen das A könnte in diesem Fall das verbindende Element sein > A wie Austria / A wie Alternativenforen :-)
Machbare, innovative Schritte am Weg zu einer langfristig lebenserhaltenden Gesellschaft.
Dann könnte ich diese Plattform schon als Social Networking Tool auf der alternativenforen.at Seite einbinden und die ersten Gruppen (5-6 zur Zeit) die als Pilote starten könnten sich hier auch schon einschreiben.
Wenn sich dann im Laufe der Zeit herausstellt, dass wir diese Plattform weiterentwickeln wollen oder noch bessere Vernetzungstools finden, lässt sich das sicher problemlos erweitern, ergänzen, verändern. Lassen wir den Dingen ihren Lauf.

Was mich besonders begeistert ist, dass wir somit ganz viele Permakulturprinzipien erfüllen würden :-)
> Wir fangen die Energie von vielen Seiten ein, führen sie zusammen, bewahren sie auf und können sie lange in diesem Feld behalten, mehr Land damit bewässern (Catch & store energy)
> Unsere Arbeit wird dadurch ertragreicher (Obtain a yield)
> Wir produzieren keinen Abfall, nützen was schon da ist und machen nichts doppelt, dreifach (Produce no waste)
> Wir integrieren statt zu zerteilen (Integrate rather than segregate)
> Wir wenden kleine, einfache, langsame Lösungen an (Use small & slow solutions)
> Wir vermehren und nutzen die Randzonen, die Berührungsflächen, den Austausch > das System wird produktiver (Use edges & value the marginal)
> usw..... da könnten wir noch viel mehr Funktionen und Querverbindungen aufzählen ... :-)

Was meinst du? Können wir diesen Schritt tun?

Ich habe Edina geschrieben dass ich diesen Schritt befürworten würde, aber dass ich zuerst ein Stimmungsbild der BenutzerInnen sehen möchte. Immerhin soll diese Plattform ein verlässliches und der Idee der Transition - Inititiative eng verbundenes Medium sein. Sie soll dem Aufbau von Transition Towns in ganz Österreich gewidmet sein.

Auf der anderen Seite ist Transition alles andere als eine monolithische Organisation; es ist ein Dach, das maximale Rückendeckung für lokale Handlungsmöglichkeiten in Richtung Vielfalt, Widerstandsfähigkeit, Lebensqualität, Kompetenz geben soll. Es gibt dafür bewährte Methoden und Muster und die sollen durch Trainings und andere Formen der Kommunikation verbreitet werden.

Der Zugang der so etwas wie den kleinsten gemeinsamen Nenner und die Kern-Identität von Transition bildet ist die frühzeitige Wahrnehmung des bevorstehenden Ölschocks; die Methoden und Muster hingegen nimmt Transition aus vielen anderen Gruppen, Organisationen und Bewegungen: Permakultur, Green Design, Community Gardening, Solidarische Ökonomie, Community Building, Empowerment, Visionsarbeit - um nur einige zu nennen. Viele Muster und Methoden sind zwar vermutlich wirksam, müssen aber erst in der Realität getestet werden: Regiogelder oder ressourecenbasierte Ökonomien der Absprache, integrierte Stoffströme und Kreislaufwirtschaften und vieles mehr.

Insofern ist es auch insbesondere Ziel dieser Online Community, Transition für konstruktive und weitertreibende Impulse zu öffnen. Es soll nicht verschwiegen werden, dass wir nicht eine Gründung aus Totnes sind, sondern uns hier in Österreich einfach das Transition - Label angeeignet haben ohne vorher um Erlaubnis zu fragen. Wir wollten auf praktischem Weg diese Bewegung vorantreiben - aber in unseren Reihen befinden sich immer mehr Vertreter der "offiziellen" Transition (also Besucher der Transition Trainings), die diesen Weg gutheißen und sich hier zuhause zu fühlen. Die spezielle Funktion der Transition Online Community, die ihren Ausgangspunkt in den USA bei Les Squires in Colorado genommen hat und genaugenommen an Transition Austria "schuld" ist, ist die optimale Gestaltung des Informationsflusses über Organisationsgrenzen und geographische Grenzen hinaus, und genau durch diese Freiheit und Unabhängigkeit erfüllt sie ihre positive Funktion AUCH für Transition. Wir haben versucht beides in einem zu machen und mit Transition von Anfang an integrativ zu wirken- der österreichische Weg.

Insoferne sehe ich kein grundsätzliches Problem in der Fusion mit den Alternativforen. Was allerdings auch bedeutet, dass auch ATTAC diese Alternativforen nicht als Vorfeldorganisation sieht, sondern als selbstbestimmte Gruppen von Menschen die eine möglichst effektive online - Infrastruktur brauchen, wenn sie eigenverantwortlich ihre Arbeitsschwerpunkte vor Ort setzen. Wenn man so will, ist diese Struktur selbst so etwas wie das Trainingsfeld einer neuen Form der Vergesellschaftung, die ohne Gewalt, Kommando und Kontrolle durch eine Zentrale auskommen will und doch höchst effektiv zu arbeiten in der Lage sein soll. Es gibt viele Namen für diese Qualität, kulturkreativ, chaordisch, holarchisch, commonistisch - aber nicht der Name ist entscheidend sondern die Fähigkeit, Konflikte zu bewältigen und kreative und nachhaltige Lösungen zu finden.

Ich bitte Euch, einen kurzen Kommentar und ein Signal des Einverständnisses oder des Widerstandes bezüglich gegen das Zusammengehen mit den Alternativenforen abzugeben, und zwar in Form eines Kommentars zu diesem Text hier unten. Danke im voraus!

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Kommentar

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Kommentar von Franz Nahrada am 26. August 2010 um 12:19pm
solcom ist ja bereits bei Transition Austria. Es haben sich auch schon ein paar Leute subskribiert, aber es muss dringend mehr gemacht werden damit das wieder die alte Funktionalität kriegt. Es gibt auch solcom.grouply.com wo so ziemlich alles archiviert ist, es gibt ein JSON file mit dem gesamten exportierten Inhalt des SOLCOM NING, es gibt eine CSV Datei mit den Memberdaten und Profilfragen und es gibt eine Tabelle mit allen mailadressen.
Kommentar von Andreas Exner am 26. August 2010 um 11:35am
hi - ich hab nicht den ganzen text oben gelesen, nur überflogen.

wenn es um die idee der zusammenführung von alternativforen (die attac organisiert) und transition austria geht, so bin ich dafür

by the way: wir wollten ja solcom da auch einpacken?

lg a
Kommentar von Franz Nahrada am 24. August 2010 um 1:58pm
Das Vorum ist mehr als ein Votum, es scheint mir ein voller Konsens zu sein, und auch Helmuts warnende Hinweise sind durchaus auch in dieses Konsens einzubeziehen und werden hoffentlich Beachtung finden.
Ich würde mich freuen wenn graphisch begabte Menschen einen schönen Netzwerkheader für Transition Austria & Alternativforen basteln könnten, wo nicht nur das A in der Mitte steht, sondern auch eine ein-Blick-Bebilderung von Transition und den vielen Bereichen die damit verbunden sind gelingt.
Kommentar von Gilsa Hausegger am 24. August 2010 um 1:42pm
lieber franz ich finde diese entwicklung großartig und auch sehr passend im sinne einer neuen weltweiten kultur des miteinander in repekt und wertschätzung der verschiedenartigkeit.
im sinne einer kultur die dem leben dient.
liebe grüße gisi
Kommentar von Walther Schütz am 23. August 2010 um 9:04am
Unterstütze auch ein solches Zusammenwachsen mit Alternativenforen!
Kommentar von Helmut Leitner am 21. August 2010 um 10:38pm
Lieber Knut, ich bin ganz deiner Auffassung.

Lebendige Muster/Mustersprachen müssen offen sein, als Beschreibungen von Bewährtem oder auch Visionen und Experimenten, als Zugang zu Erfahrungen und Gedanken, zum gemeinsamem Lernen an Gelungenem und Misslungenem, als Angebote für das autonome Handeln im lokalen Kontext.
Kommentar von Alois Kemmer am 21. August 2010 um 6:00pm
Nachdem ich mir nun http://www.alternativenforen.at/index.php eingehend angesehen habe, möchte ich diese Vernetzungsinitiative vollinhaltlich unterstützen. Die hier vorgefundene Struktur und die proagierten Denkweisen und Zielsetzungen entsprechen weitestgehend meinen persönlichen Absichten und Überzeugungungen. Ich denke, wenn wir von der Basis her irgend etwas bewirken wollen, das über den persönlichen Wirkungskreis jedes Einzelnen hinausgeht, dann brauchen wir solche Formen der Vernetzung gleichgesinnter Menschen sehr dringend. (Mehr über meine eigenen Vernetzungs-Bemühungen siehe http://www.dorfwiki.org/wiki.cgi?DorfTratsch/NeueLebensformen )
Kommentar von Markus Schallhas am 21. August 2010 um 2:44pm
Ich denke, so ein Zusammenwachsen macht Sinn. Ich vertraue Franz und Edina, dass sie einen guten Vorschlag für die Umsetzung finden.
Kommentar von Knut Berndorfer am 21. August 2010 um 12:23pm
lieber helmut,

ich glaube die mustersprachen sind ein weg - ich seh das wie ein hologramm - mit dem konzept von rob hopkins anfangen - und dann könnten verschiedene organisationen (transition austria, alternativforen ...) unterschiedliche handbücher ??? entwickeln - wenn das ganze eine gemeinsame grundlage hat kann es auch unterschiede in der ausführung geben -

zb möchte ich in das derzeitige konzept ein paar elemente einfügen - essentielle persönliche entwicklung - kollektive intelligenz/dialog und vielleicht "sensing and actualizing emerging futures" (utheorie otto scharmer) - das gehört zu skills und umsetzung von projekten - ich werde dazu etwas in die mustersprachen gruppe einbringen ...
Kommentar von Hohenwarter Michael am 21. August 2010 um 12:10pm
Meine Sicht der Dinge: Was wir wissen ist, dass es weltweit so nicht weiter gehen kann bzw. wird. Was wir nicht wissen ist, wie wir den Wandel handhaben bzw. steuern können. Wir haben unterschiedliche Hilfsmittel (z.B. Muster) und Ideen wie wir an die Gestaltung des Prozesses herangehen können, der Ausgang ist aus meiner Sicht aber noch offen. Eine Vision ist noch kein praktisch umgesetztes funktionsfähiges Ergebnis. Es ist wahrscheinlich sowieso klar, dass es mehrere Ergebnisse geben kann und wahrscheinlich auch wird. Der Wandel ist vergleichbar mit einer Operation am offenen Herzen, extrem anspruchsvoll, Ausgang ungewiss (Aussage stammt nicht von mir, gefällt mir aber).
Was wir brauchen ist Aktivität auf allen Ebenen (Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft). Dabei kann jeder nur umsetzen und verfechten wovon er überzeugt ist. Nachdem niemand einen fertigen funktionsfähigen Masterplan hat, müssen wir die Vielfalt auch zulassen. Die Praxis wird es weisen, welche Muster bzw. Musterabfolge funktioniert und welche nicht.
Das wichtigste ist, dass die unterschiedlichen Ansätze sich
a) respektieren
b) kooperieren und
c) sich ergänzen und unterstützen.

Aus meiner Sicht, sollte die Transitionplattform die gebündelte Macht der Alternativen darstellen die für einen Wandel arbeiten und kämpfen. Wir brauchen eine Plattform, die durch Qualität und Quantität aufzeigt, dass es Kräfte im Land gibt, die an Alternativen arbeiten. Unter diesem Gesichtspunkt sehe ich die Transitionplattform.

Wir müssen lernen, dass es nicht nur eine Wahrheit gibt! Die Zukunft gehört - so hoffe ich - der Vielfalt. Daher ist es aus meiner Sicht logisch, dass die Lösungsvielfalt in lokalen und regionalen Kreisen getestet und probiert werden. Was sich künftig durchsetzen wird, wird die Zukunft zeigen.

Fazit: Wir brauchen eine Bündelung auf einer Webseite. Schön wäre eine Grundsatzdeklaration aus der hervorgeht, dass es Gemeinsamkeiten und Unterschiede gibt und dass es viele Lösungsansätze gibt, die wir in der Praxis aber erst testen müsssen und dass jeder aufgefordert ist zu handeln zu probieren und mit den anderen Erfahrungen zu teilen.

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